2 Empfehlungen für Fans historischer Krimireihen

Ein Krimi, wie wir ihn kennen, mit einem Mord und einem Ermittler (oft die Polizei), konnte ja erst entstehen, nachdem auch die staatlichen Rechtssysteme soweit waren, dass wirklich ermittelt wurde und Geständnisse nicht lediglich aufgrund von Folter erpresst wurden. Polizeiapparate, wie wir sie kennen, wurden im Laufe des späten 18. Jahrhunderts eingeführt, mancherorts früher, mancherorts später. Die Methoden der damaligen Ermittler waren natürlich ganz anders als heute: keine Fingerabdrücke, keine DNA, ja sogar die Tatortfotografie steckte noch in den Kinderschuhen.

Die Gesellschaft, in der sich die Ermittler bewegten, war ebenfalls eine andere: Adelssysteme, Kriege mit Nachbarländern, stufenweiser Wandel hin zur Demokratie. All das ist ein wunderbarer Hintergrund für Krimis, wenn man etwas geschichtlich interessiert ist. In diesem Post möchte ich euch zwei Krimireihen empfehlen, die hervorragend in ihrem jeweiligen historischen Kontext des 18. Jhd/19. Jhd. eingebettet sind und die Leser auf eine spannende Zeitreise mitnehmen.

Commissario Tron (Venedig) – von Nicolas Remin

Nicolas Remin hat eine hervorragende Krimireihe rund um Commissario Tron entwickelt, der ja eigentlich ein Conte ist. Aber der venezianische Adel leidet unter Geldnot und so geht der Commissario einem Brotjob nach. Dennoch verkehrt Tron weiterhin in den illustren Kreisen der Gesellschaft.

Der erste Band der Reihe spielt 1862, also in einer Zeit, in der Venedig von den Habsburgern besetzt ist. Insgesamt ist die Stimmung in der Stadt aufgeheizt und dies wird auch hervorragend in diesem Buch beschrieben. Nun kommt es, dass Elisabeth von Österreich – ja, die allseits umschwärmte Kaiserin Sissi – in die Lagunenstadt reist. Kleines Problem allerdings: Einer der hohen kaiserlichen Offiziere wird ermordet auf dem Raddampfer aufgefunden, der die Kaiserin von Triest nach Venedig bringt – neben einer nackten Dame, offensichtlich einer Prostituierten. Ein brisanter Fall, der sich bis in die höchsten Kreise zieht.

Im Laufe der Bücher erfährt man auch mehr über den Commissario, der für die damalige Zeit eine äußerst aufgeschlossene Beziehung mit der verwitweten Principessa eingeht, die die Zügel ihres Geschäftsimperiums fest in der Hand hält. Wer denken mag, es handle sich hier um bloßen Adelskitsch: Keine Sorge, die Romane sind absolut kitschfrei und äußerst lesenswert.

Die Reihe, die auf Deutsch verfasst und auch in andere Sprachen übersetzt wurde, umfasst sechs Bände. Absolute Empfehlung.

Commissaire Nicolas Le Floch (Paris) – von Jean-François Parot

Eine Entdeckung während meines Frankreich-Aufenthaltes: Commissaire Le Floch ist in Frankreich bereits Kult und wurde auch verfilmt. Die Reihe beginnt 1761, als der junge Nicolas Le Floch, Waisenkind und aufgezogen in einem Kloster, von seinem Patenonkel, einem Marquis, mit einem Empfehlungsschreiben nach Paris geschickt wird. Dort tritt er in die polizeilichen Dienste von M. de Sartin, der für den König arbeitet und regelmäßig am Hof in Versailles vorspricht.

1761 in Frankreich – ihr könnt euch vorstellen, was das für eine Zeit des Umbruchs auch in der Gesellschaft ist. Der Übergang von alten Polizei- und Ermittlungsmethoden (insbesondere Folter) und moderner Ermittlungsarbeit passiert gerade und Le Floch muss seinen Weg darin finden.

Im ersten Band wird ein hoher Polizeibeamter der Korruption verdächtigt und M. le Sartin betraut etwas überraschend den jungen Le Floch mit der Ermittlung. Aus dem Fall wird allerdings schnell ein Mordfall und ein Skandal steht ins Haus, denn wichtige Dokumente von König Ludwig XV sind verschwunden. In instabilen Zeiten wie diese eine Katastrophe. Die Nachforschungen des Commissaire führen an die verschiedensten Orte Paris: das Zentrum, die Randgebiete, Spielhöllen, Bordelle, ja sogar in das Verließ der Bastille.

Der Autor verbindet in seinen Romanen fiktive mit historisch verbürgten Personen. So gab es die Figur des Le Sartin tatsächlich, ebenso wie des Henkers, der als eine Art Gerichtsmediziner mit Rat und Tat zur Seite steht.

Im französischen Original sind bereits 14 Bände erschienen, der erste Band wurde kürzlich auch ins Deutsche übersetzt, der zweite erscheint Anfang 2018. Zugegeben, die Bücher im Original zu lesen ist nicht gerade die einfachste Aufgabe für Fremdsprachige, da die Sprache naturgemäß alt und gehoben ist. Vorteil allerdings: Die Bücher enthalten viele Fußnoten und erklären teilweise sehr alte Begriffe, die auch Muttersprachler möglicherweise nicht kennen. Trotzdem, wer schon einiges auf Französisch gelesen hat, kann sich ruhig drüber trauen, es lohnt sich, auch wenn man nicht jedes Wort versteht.

Links:

Commissario Tron (Venedig) – Die ganze Reihe

Commissaire Nicolas Le Floch (Paris) – Band 1 auf Deutsch

Commissaire Nicolas Le Floch (Paris) – Band 1 auf Französisch

Von | 2018-01-09T15:39:48+00:00 Dezember 26th, 2017|Die Welt der Sprachen|0 Kommentare