Arbeit mit Lehrbüchern – mein persönlicher Weg

Kürzlich hat mich Stefanie über Facebook gefragt, ob ich denn mal kurz beschreiben könnte, wie ich mit Lehrbüchern arbeite. Na, das mache ich doch gerne, denn das bietet die perfekte Gelegenheit, mir mal selbst darüber bewusst zu werden, was ich da so tue 🙂

Eines vorweg: Ich benutze keine bestimmte Methode, das Ganze basiert auf keinen wissenschaftlichen Studien, sondern ich mache einfach, wie es mir passt. An manchen Tagen weicht das auch vom Standard ab und ich mache alles. Ich beschreibe hier einfach mal, wie das bei mir normalerweise von statten geht. Vielleicht ist irgendetwas davon interessant für euch, vor allem aber möchte ich dazu einladen, sich immer wieder mal über das eigene Vorgehen Gedanken zu machen und zu fragen, ob eure Arbeitsweise (noch immer) zu euch passt. Denn manchmal verwenden wir Techniken, die wir irgendwo gesehen oder von einem „Profi“ gehört haben, aber die gar nicht zu uns und unserem Lernstil passen.

Wovon spreche ich konkret?

Ich spreche in diesem Artikel darüber, wie ich vorgehe, wenn ich mit einem Sprachlehrbuch arbeite. Natürlich habe ich mir vor dem ersten Tastendruck schon ein paar Gedanken darüber gemacht und ganz konkret bin ich die letzten „Lehrbuchabenteuer“ durchgegangen, die ich absolviert habe bzw. gerade absolviere:

Das sind zwei Assimil-Lehrbücher (nicht überraschend, denn ich mag Assimil!), zum einen habe ich Französisch in der Praxis (B2-C1) durchgearbeitet (ja, ganz bis zum Ende, yipieee!) und zum anderen ist das das Buch Basque unifié, mit dem ich gerade Baskisch lerne.

Methode Dani

Zwei Dinge werden bei der retrospektiven Betrachtung meines Vorgehens, der ganz bescheiden genannten „Methode Dani“, klar:

1) Ich schreibe die Texte und Übungen alle per Hand ab.

2) Ich verwende viele Farben und Stifte.

Ich bin eine schlampige Leserin (was lustig ist, weil ich viel lese, aber ja, es passiert mir doch häufig, dass mir beim Lesen wichtige Details entgehen…). Per Hand einen Text abzuschreiben, hilft mir, mich auf den Text voll und ganz zu konzentrieren und jedes Detail, wie Grammatikendungen, einzelne Buchstaben etc. voll wahrzunehmen. Das heißt noch lange nicht, dass ich gleich alles kann, nur weil ich was aufschreibe, aber es ist schon mal die Grundvoraussetzung dafür, dass ich überhaupt was mitbekomme.

Ich verwende also ein Notizbuch – eines bei dem ich die Papierqualität mag, denn wenn man das Buch schon nicht anfassen will, ist das eine schlechte Voraussetzung – in das ich in jeder Lernsession einfach den Text abschreibe.

Gleichzeitig unterstreiche ich häufig auch im Buch einzelne Wörter und Phänomene und das normalerweise in allen möglichen Farben. Dabei habe ich in der Regel kein Farbsystem bzw. wenn dann nur ein Farbsystem auf dieser einen Seite. Wenn mir an einem Tag nach Lila-Tönen ist, dann wird es lila und rosa, an einem anderen Tag hat die Seite vielleicht einen Grünstich bekommen.

 

 

 

 

 

 

Dabei schreibe ich mir normalerweise auch die neuen Vokabeln über die Wörter im Text. Das hat den Grund, dass ich später das Buch noch einmal durchgehe und zwar nur, um die neuen Vokabeln in meine Riesenvokabelliste, die ich pro Sprache führe (die wäre vielleicht auch einen Post wert…), eintrage, von der aus sie dann früher oder später in Anki landen.

Dass ich die Vokabeln erst später in meine Liste eintrage, hat folgenden Grund: Ich gehe den Text ein zweites Mal durch. Ich bin jemand, der Vokabeln schon ein paar Mal hören und sehen muss, bis er sie drauf hat. Beim ersten Mal lesen sehe ich also ein Vokabel und wenn ich Tage oder Wochen später die Lektion noch einmal überfliege, habe ich eine nächste Wiederholung, die mir dabei hilft, die Wörter langsam aber sicher in meinem Gehirn zu verankern.

Was den Text angeht, den ich in mein Notizbuch abschreibe, nun den bearbeite ich teilweise auch mit Farben. Vor allem wenn ich eine neue Sprache lerne, wie jetzt Baskisch, gehe ich ganz strukturiert vor, um genau zu verstehen, wie ein Satz funktioniert.

Ich schreibe also einen Satz ab, dann analysiere ich ihn, so wie ich es in der Schule im Deutschunterricht gelernt habe: Ich suche das Prädikat, unterstreiche es rot, suche das Subjekt, unterstreiche es blau. Das klingt banal, aber bei Sprachen, in denen ich noch fast nichts kann, hilft mir das, den Überblick zu behalten. Ich schaue mir genau an, wie das Prädikat aufgebaut ist: Ist es Plural/Singular, in welcher Zeit, und dann je nach Sprache wird es schon komplizierter: In welchem Aspekt steht das Verb (z. B. bei slawischen Sprachen), verlangt das Verb ein direktes Objekt und wenn ja, in der Einzahl oder Mehrzahl (Baskisch),…

Dann suche ich, je nach Satz, das Akkusativobjekt, Lokalergänzungen und so weiter – die ganze Palette der grammatikalischen Satzanalyse J Dabei verwende ich verschiedene Farben und meine ganz eigenen Abkürzungen. So ist S immer Subjekt und P immer Prädikat, das Akkusativobjektiv ist ein COD (aus Französisch complément d’un objet direct, weil ich das so aus einem französischen Assimilbuch übernommen habe), und der unvollendete Aspekt (HCB) sowie der vollendete Aspekt (СВ) erhalten auch im baskischen Text die russischen Bezeichnungen, weil ich einfach gleich weiß, was damit gemeint ist.

Übungen

Wenn es in einem Lehrbuch Übungen gibt, dann mache ich die auf die gleiche Weise wie oben beschrieben: Auch wenn es sich um Lückentextübungen handelt, schreibe ich immer den ganzen Satz bzw. Text ab. Das hat den Vorteil, dass ich mich nicht nur auf das eine Wort konzentriere, das gesucht wird, sondern ich den ganzen Satz als solchen erfasse. Das Wort, das einzusetzen ist, schreibe ich meistens in Farbe, erstens weil es schön ist und zweitens, weil ich dann, wenn ich die Lösungen durchgehe, das Wort schneller vergleichen kann, da es mehr ins Auge sticht.

So, hier habt ihr einen kleinen Eindruck davon bekommen, wie ich mit einem klassischen Sprachlehrbuch vorgehe. Was dabei jetzt total unter den Rost gefallen ist, sind die dazugehörigen Audio-Dateien. Das fällt mir gerade erst jetzt auf und hat damit zu tun, dass ich schon lange mit keinem Buch mehr gearbeitet habe, wo Audiomaterial dabei war. Hmmm… das ist mal auf jeden Fall was, über das ich jetzt nachdenken werde 🙂

Ich lade euch ein, einfach mal selbst bewusst darüber nachzudenken, wie ihr Lehrbücher angeht und ob ihr damit zufrieden seid. Viel Spaß dabei!

Von | 2018-05-11T09:10:22+00:00 Mai 11, 2018|Die Welt der Sprachen|