Arbeit & Urlaub verknüpfen? Ein Erfahrungsbericht

Wer hat sie noch nicht beneidet, all die vermeintlichen Glückspilze, die an einem exotischen Strand sitzen, genüsslich einen Cocktail schlürfen und ganz nebenbei ihrer Arbeit nachgehen? Gut, dass die Realität wahrscheinlich nicht so traumhaft ist, dürfte jedem klar sein.

Nichtsdestotrotz vermittelt einem die Vorstellung, dass man seiner Arbeit von überall auf der Welt aus nachgehen kann, schon ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Bis vor kurzem habe ich mich selbst nie intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und es war mehr oder weniger ein Zufall, dass ich im Sommer 2017 kurzfristig beschlossen habe: Ich fahre auf Urlaub – und meine Arbeit nehme ich mit.

Im Grunde genommen hat es damit angefangen, dass ich Lust hatte, in die Bretagne zu reisen. Ein, zwei Wochen sollten es schon werden, damit es sich lohnt. Aber wie jede Selbstständige stand ich natürlich vor einem Problem: a) Urlaub heißt keine Arbeit, heißt kein Geld (wobei der Urlaub gleichzeitig Geld kostet) und b) wer übernimmt meine laufenden Aufträge während dieser Zeit?

Beide Überlegungen haben mich so abgeschreckt, dass ich zuerst gar nicht fahren wollte. Dann aber die Erleuchtung: Ich fahre einfach länger, dafür nehme ich die Arbeit mit und ich verbinde beides. Daraus ist dann innerhalb weniger Tage der Plan entstanden, eine Work & Travel-Reise zu starten.

Vorbereitungen

Im Prinzip habe ich nicht viel vorbereitet. Ich wusste von Anfang an, dass ich vornehmlich in AirBnBs absteigen wollte. Von zuhause aus zu arbeiten kannte ich ja bereits, das wäre also kein großer Unterschied. Alternativ könnte ich in Cafés etc. arbeiten. Daher habe ich mir als allererstes gleich mal für eine Woche ein Apartment in Brest (im Westen der Bretagne) reserviert. Somit war alles fixiert, ich wusste, wann ich starten konnte. Wie es danach weitergehen würde und wo ich hinfahren würde, blieb erstmal offen. Da ich mit dem Auto unterwegs sein würde, war ich flexibel.

Ungefähr fünf Tage vor Abreise habe ich dann noch Reiseziele für weitere zwei Wochen fixiert. Das hat sich durch Zufall ergeben und wurde teilweise davon beeinflusst, dass ich unterwegs Freunde und alte Bekannte treffen wollte. Die Apartments (und einmal auch ein Hotel) habe ich gleich reserviert, um alles klar zu machen. Immerhin war Urlaubszeit.

Die Erleuchtung: Co-Working

Das Konzept von Co-Working kannte ich bereits und ich hatte mir immer wieder mal überlegt, statt von zuhause aus zu arbeiten, in ein Co-Working-Büro in der Nähe zu gehen. Da kam mir die Idee, dass ich ja mal schauen könnte, ob es an den Orten, an denen ich sein würde, solche Co-Working-Büros gab. Da der Lifestyle des ortsunabhängigen Arbeitens bzw. der digitalen Nomaden sich immer weiter verbreitet, hoffte ich, dass ich vielleicht kurzfristig Plätze für ein paar Tage finden konnte.

Und siehe da: Tatsächlich habe ich an allen Orten, an denen ich plante zu arbeiten (es waren auch mal Urlaubstage dabei), Co-Working-Plätze gefunden. Ich habe die Einrichtungen jeweils kontaktiert und alle haben mir die Plätze für den gewünschten Zeitraum zugesichert. In kürzester Zeit war alles erledigt und es konnte losgehen.

Zeitplan – Wann Arbeit, wann Urlaub?

Ich habe mir schließlich einen Zeitplan geschrieben, an welchen Tagen ich arbeiten würde und an welchen Tagen ich frei hatte bzw. längere Fahrtstrecken zurücklegen musste (bei aller Ortsunabhängigkeit, auf der Autobahnraststätte wollte ich dann wirklich nicht arbeiten müssen). Meine regelmäßigen Kunden habe ich über die vereinzelten Tage informiert, an denen ich nicht verfügbar war.

Im Prinzip habe ich aber von Montag bis Freitag gearbeitet, nur einmal habe ich ein langes Wochenende mit einer Freundin eingelegt. Insgesamt habe ich 6 Arbeitstage in 4,5 Wochen freigenommen.

Es war im Nachhinein gesehen gut, sich so einen Plan zu schreiben, denn das gab mir Orientierung und Sicherheit und ich konnte auf Anfragen solide Antworten.

Apropos Plan: Wo war ich dann schließlich? Circa 10 Tage Bretagne mit Aufenthalten in Rennes, Brest und St. Malo, 4 Tage Bordeaux und die restliche Zeit an der Südwest-Atlantikküste (nahe Biarritz).

Kommt der Urlaub nicht zu kurz?

Bis jetzt habe ich nur von Arbeit geschrieben, ist denn der Urlaub nicht zu kurz gekommen? Überhaupt nicht! Dazu muss ich gleich sagen, dass es mir bei der Reise weniger um den Erholungs- als mehr um den Sightseeing-Faktor gegangen ist. Am Wochenende, aber vor allem auch am Feierabend habe ich die Gegend bzw. die Städte erkundet.

Im Juli war es lange hell und wenn ich gegen 17:00 Feierabend machte, hatte ich noch einige Stunden Zeit, um zum Beispiel mit dem Auto die wunderschönen bretonischen Küsten rund um Brest zu erkunden oder durch das spätnachmittagliche Bordeaux zu spazieren.

Am Wochenende konnte ich natürlich richtig viel machen, einen Ausflug nach Jersey (Kanalinseln) zum Beispiel oder mit meiner Freundin die wunderschönen Felsformationen von Ploumanac’h erkunden.

Mehr von der Gegend kennenlernen

Ich habe allerdings nicht nur viel über Sightseeing mitbekommen: Das Arbeiten an den Co-Working-Plätzen und damit auch der Kontakt zu den anderen Co-Workern sowie das Wohnen in AirBnBs hat mir das Gefühl gegeben, viel tiefer in den jeweiligen Ort eintauchen zu können. Man passt sich an den Rhythmus der jeweiligen Stadt an, geht dort Mittagessen, wo die „normalen“, arbeitenden Menschen hingehen, nicht die Touristen etc.

Die Zeit am Abend konnte ich optimal nutzen. Zwei, drei Stunden, dann ein gemütliches Abendessen, war mehr als ausreichend, um viel zu sehen. Nach einer gewissen Zeit ist man sowieso nicht mehr so aufnahmefähig und kann oft neue Eindrücke gar nicht so wahrnehmen. Und für längere Ausflüge gab es ja die Wochenenden.

Trennung von Arbeit und Urlaub

Oft stellt sich die Frage, ob man Urlaub bzw. Freizeit ausreichend von der Arbeit trennen kann. Das hängt von jedem individuell ab, ich kann aber für mich sagen: Ja. Ich hatte prinzipiell nie das große Problem, von Arbeit auf Freizeit umzuschalten… wenn ich mir selbst einen Rahmen gesetzt habe. Ich bin also zum Beispiel jemand, der recht klassische Arbeitszeiten einhält. Nach dem Frühstück geht’s los, bis in den späten Nachmittag. Abends keine Arbeit (geht bei mir sowieso nicht), Wochenende mache ich meistens auch frei.

Mir persönlich hat diese Trennung sehr gut geholfen und ich hatte nie das Gefühl, dass ich etwas verpasse, während ich bei der Arbeit saß. Andere können sich aber vielleicht nicht vorstellen, am Arbeitsplatz zu sitzen, während 10 Fahrminuten entfernt der schöne Strand auf sie wartet. Wie gesagt, das ist was persönliches, da hilft es, wenn man seine eigenen Vorlieben gut kennt. Und so eine Reise kann ja eine Möglichkeit sein, die besser kennenzulernen…

In einen Co-Working-Space zu gehen, kann jedenfalls dabei helfen, Arbeit und Urlaub besser zu trennen, da alle um einen herum ebenfalls konzentriert bei der Arbeit sind. Aber wie gesagt, für mich war das kein großes Problem, weil ich eine Art Fahrplan für die Zeit hatte.

Lief die Arbeit normal weiter?

Ja, tatsächlich. Es war für mich der erste Versuch in diese Richtung und ich war mir nicht sicher, was ich davon zu erwarten hatte. Aber im Nachhinein kann ich sagen, ich habe keinen einzigen Auftrag verloren, weil ich auf Urlaub war, ich musste mich aber auch nicht verbiegen, um die Aufträge abzuwickeln. Es ließ sich alles in meiner gewohnten Arbeitszeit erledigen.

Die meisten meiner Kunden haben auch gar nicht mitbekommen, dass ich gerade im Ausland war, außer ich habe es ihnen explizit erzählt. Für sie hat sich sowieso nichts geändert. Internet und Laptop war alles was ich brauchte.

Das mobile Büro

Ein Tipp: Ich habe mir vor Abfahrt einen Rucksack besorgt, den ich ab sofort als mein „mobiles Büro“ bezeichne. Darin befindet sich alles, was ich für unterwegs brauche: Laptop, Ladekabel, Stifte, ein paar Unterlagen – was halt jeder so braucht. Jeden Morgen habe ich mir mein mobiles Büro geschnappt und mich auf den Weg zur Arbeit gemacht.

Das mobile Büro habe ich übrigens behalten, denn so viel sei verraten, die Erfahrung, von unterwegs aus zu arbeiten, war so positiv, dass ich das erstmal in etwas abgeänderter Form weiterführe.

Kosten

Jede Reise bringt natürlich Kosten mit sich. Auch wenn ich gearbeitet habe und meinen Aufträgen normal nachgekommen bin, die Ausgaben waren deutlich höher als im Alltag. Zum einen schon mal die Übernachtungskosten, die ja zu Hause wegfallen würden, zum anderen auch die Co-Working-Plätze. Je nach Art der Fortbewegung kommen auch unterschiedliche Transportkosten hinzu, wie in meinem Fall Benzin und Autobahngebühren. Aber mit dem Wissen, dass währenddessen ganz normal die Einnahmen weiterfließen, konnte ich die Ausgaben guten Gewissens auf mich nehmen.

Die Co-Working-Plätze bewegten sich übrigens alle in verschiedenen Preislevels. Mal habe ich für 4 Tage € 30 bezahlt, mal € 70. Es gibt billigere und teurere, aber meistens findet man im Internet dazu die Infos. Selbstverständlich sind Tagesplätze immer teurer als Monatsplätze. Für mich war es an einem Ort, an dem ich länger geblieben bin, daher günstiger, einen Monatsvertrag abzuschließen.

Besonders entgegen gekommen ist mir außerdem, dass mit 15. Juni 2017 die Roamingkosten in der EU gefallen sind und ich somit ohne Mehrkosten erreichbar bleiben konnte.

Resumee Coworking-Plätze

Ich wusste nicht wirklich, was mich beim Co-Working erwarten würde, aber ich war restlos begeistert. Seit der Work & Travel-Reise habe ich keinen Tag mehr im Home Office gearbeitet, sondern ausschließlich in Co-Working-Plätzen, auch in meiner Heimatstadt.

Ohne dass es mir wirklich bewusst war, habe ich es zuhause vermisst, mit Kollegen zu arbeiten und mich mit anderen Menschen auszutauschen. Im Co-Working-Büro ist das möglich. Ich hatte das Glück, tolle Plätze zu finden, wo meist sehr angenehme und sympathische Leute waren.

Gerade in Städten hat meine größere Auswahl an Co-Working-Plätzen – es lohnt sich hier, im Internet zu vergleichen. Aber im Grunde genommen weiß man erst, wenn man dort ist, ob man sich wohlfühlt, und das ist ja eigentlich das wichtigste.

Schlussendlich habe ich nie woanders gearbeitet, als in den Co-Working-Plätzen. Daher kann ich auch nicht über Alternativen berichten. Aber ich kann mir vorstellen, dass man in großen Städten ausgezeichnet in bestimmten Cafés arbeiten kann oder vielleicht auch in einer Bibliothek.

Meine Tipps für ein erfolgreiches Work & Travel

  • Die eigenen Arbeitsgewohnheiten und -vorlieben kennen
  • Jeweils ausreichend Arbeits- und Urlaubszeit einplanen und lieber eine Woche länger bleiben und sich dafür nicht stressen müssen
  • Co-Working-Plätze im Voraus buchen (soweit möglich) bzw. sich über mögliche Arbeitsplätze im Internet informieren
  • Ein mobiles Büro einrichten, in dem sich alles befindet, das man für die Arbeit braucht
  • Tage, an denen man nicht erreichbar ist, an regelmäßige Kunden im Vorfeld kommunizieren bzw. für ein Back-up sorgen, falls notwendig
  • Wer kann: sich einen möglichst guten Überblick über die anstehenden Projekte in dieser Zeit verschaffen
  • Falls außerhalb der EU: ggf. über Roamingkosten/lokale Handynummer etc. informieren oder Kunden Bescheid geben, dass man nur über Skype o. ä. erreichbar ist.

Wie immer deine persönliche Work & Travel-Reise aussieht: Viel Spaß dabei und viele tolle Erfahrungen!

Von | 2018-01-09T15:28:54+00:00 Dezember 7th, 2017|Arbeiten mit Sprachen|0 Kommentare