Rezension: ASSIMIL Französisch in der Praxis (B2-C1)

Ein großes Leidwesen des Sprachenlernens ist ja, dass es für Selbstlerner – also Menschen, die abseits von einem Kurs eine Sprache lernen – ab einem gewissen Niveau schwierig ist, geeignete, systematische Lehrwerke und Materialien zu finden.

Schon vor zwei Jahren bin ich über den Assimil Band Französisch für Fortgeschrittene gestolpert und habe ihn mir – offensichtlich in weiser Voraussicht – zugelegt. Da mittlerweile in Frankreich gelandet, ist mir dieses Buch sehr zu Gute gekommen und ich habe es in den letzten Wochen und Monaten intensiv durchgearbeitet.

In diesem Post möchte ich meine Gedanken dazu mit euch teilen, gerade weil es eben wenig gutes Material auf diesem Niveau gibt.

Allgemeines zum Buch

Zunächst vorweg: Ich habe die Version, die in den 90er Jahren erschienen ist und dementsprechend „veraltet“ sind einige Inhalte. Ich habe in Vorbereitung auf diesen Post gesehen, dass im Internet eine Ausgabe erhältlich ist, die 2017 erschienen ist. Möglicherweise treffen einige der genannten Punkte auf die neue Ausgabe nicht zu. Ich nehme jedoch an, dass durch Adaptierungen Verbesserungen vorgenommen wurden und das Buch nicht schlechter geworden ist 🙂

Ich habe die Version OHNE CDs, die waren mir auch nicht wichtig. Ich denke, auf dem Niveau ist man im allgemeinen mit der Aussprache vertraut und wenn jemand nicht wirklich ein auditiver Typ ist, der sich die Texte zur Wiederholung zum Beispiel im Zug anhören will, dann denke ich nicht, dass sich die Anschaffung lohnt.

Das Buch ist schön verarbeitet, gut zu verwenden, stabiles Papier à alles Dinge, die mir wichtig sind. Ich habe sehr gerne mit dem Buch gearbeitet und das ist schon mal die halbe Miete, wenn man das Buch gerne in die Hand nimmt.

Aufbau des Buches

Wie bei Assimil üblich, gliedert sich das Lehrbuch in verschiedene kurze Lektionen, in diesem Fall 70. Jeweils links befindet sich der französische Text (angenehm nummeriert), rechts die deutsche Übersetzung. Auch ansonsten ähnelt der Aufbau den Assimilbüchern, die ich kenne.

Weiterführende Erklärungen befinden sich in Fußnoten – diese Fußnoten sollten keinesfalls übersehen werden, denn dort finden sich oft interessante Beispiele und wichtige Hinweise! Teilweise sind einzelne Erklärungen sehr lange, aber hier habe ich die Sachen gefunden, die mich schlussendlich wirklich weitergebracht haben.

Am Ende jeder Lektion gibt es die bekannten Übungen, bei denen man entweder Wörter einsetzen muss oder Sätze übersetzen. Jede siebte Lektion ist eine Wiederholungslektion, in der bestimmte Phänomene, zum Beispiel ein Grammatikthema ausführlich behandelt werden.

Der einzige Unterschied, der mir zu den Assimilkursen „ohne Mühe“ aufgefallen ist: Dieses Buch ist nicht in eine passive und aktive Phase gegliedert, was wohl auch keinen Sinn machen würde.

Meine persönliche Vorgehensweise

Ich habe das Buch so genutzt, dass ich (fast) jeden Tag eine Lektion durchgearbeitet habe. Durcharbeiten heißt bei mir, dass ich den Lektionstext Satz für Satz in mein dafür vorgesehenes Notizbuch schreibe, Wörter markiere, die interessant sind, oder Grammatikstrukturen nachvollziehe. Ich denke, dass das Buch eigentlich dazu gemacht ist, nur darin zu lesen, aber ich kenne mich und weiß, dass ich die Dinge aufschreiben muss und mit Farben markieren, damit ich sie behalte. Mir persönlich ist aufgefallen, dass die Lektionen ab der zweiten Hälfte des Buches länger wurden und da habe ich oft nur eine halbe Lektion pro Tag gemacht.

Es wird angeraten, die Texte immer wieder zu lesen, um das Gelernte frisch zu halten. Das entspricht nicht ganz meinem Typ. Ich habe mir die Dinge markiert und notiert und werde jetzt noch einen Durchgang machen, bei dem ich einzelne Wendungen und Wörter noch einmal bewusst in mein Vokabellernprogramm Anki übertrage.

Meine persönliche Meinung

Ich wollte ein Buch haben, das verschiedene Themen der französischen Sprache abdeckt und mir auf strukturierte Weise etwas Neues lernt. Auf Niveau B2+ ist das gar nicht mehr so leicht, denn im Prinzip hat man die Grammatik schon gelernt. Aber das Buch hat es geschafft, in den einzelnen Lektionen immer wieder kleinere Grammatikhäppchen zu verarbeiten, die es auf diesem Niveau wert sind, betrachtet zu werden.

Von dem her hatte ich das Gefühl, dass das Buch einem persönlichen Kurs, wo man eben auch mal Kleinigkeiten diskutieren kann, sehr nahe kommt. Zudem waren Grammatik und Vokabular, insbesondere Ausdrücke, abwechslungsreich in die verschiedenen Inhalte der Lektionstexte eingearbeitet.

Die Lektionstexte waren auch sehr verschieden: Es werden einige Regionen Frankreichs vorgestellt, dann wird mal wieder über Literatur gesprochen, Geschichte kommt nicht zu kurz und auch nicht der Alltag. Das führt dazu, dass bestimmte Lektionen einen mehr interessieren, manche weniger. Im Prinzip kann man ganz einfach eine Lektion, die einem gar nicht zusagt, überspringen oder früher abbrechen. Im Gegensatz zu einem Anfängerkurs verpasst man nichts Essentielles, da die Lektionen nicht aufeinander aufbauen. Wie gesagt, ein paar Inhalte waren sicher schon veraltet, aber das Problem könnte in einer neueren Version behoben worden sein.

Mir ist es auf jeden Fall gelungen, mein Französisch gezielt zu verbessern. Gerade wenn man im Land der Zielsprache lebt, arbeitet man oft nicht bewusst an der Sprache, da man viel in Gesprächen aufschnappt. Aber mir hilft die strukturierte Vorgehensweise, bewusst und schnell zu lernen. Mehr als einmal habe ich Komplimente dafür abgestaubt, dass ich authentische Wendungen verwende und viele davon habe ich in diesem Assimilbuch gelernt.

Pluspunkte:

  • Ein SYSTEMATISCHES Lehrwerk, in dem sich jemand wirklich Gedanken darüber gemacht hat, welche Inhalte gelehrt werden
  • Kurze Lektionen, die es einfach machen, sich Tages- oder Wochenziele zu setzen
  • Abwechslungsreiche Lektionen und vermittelte Inhalte
  • Ein super Preis, vor allem dafür, was man geboten bekommt. Ein Bruchteil des Preises, den man zum Beispiel für einen Gruppenkurs ausgeben müsste.
  • Eines der wenigen Lehrwerke für Selbstlerner auf dem Niveau B2, mit dem man wirklich arbeiten kann und bei dem es sich zum Beispiel nicht nur um reine Vokabellisten oder ein Grammatiknachschlagewerk handelt.
  • Wendungen oder Grammatikphänomene, die besprochen werden, kommen immer wieder mal in späteren Lektionen vor, damit das Ganze frisch bleibt. Didaktisch hat sich da jemand was überlegt.
  • Viele nützliche Redewendungen/Ausdrücke, die den eigenen Wortschatz stark erweitern

Neutrale / Subjektive Punkte

Ich persönlich mochte die zweite Art von Aufgaben nicht, bei der man Worte einsetzen muss – im Gegensatz zu den „Ohne Mühe“-Büchern, wo ich das sehr sinnvoll finde. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass diese Übung für dieses Niveau oder diese Texte nicht passend ist. Ist aber vermutlich sehr subjektiv.

Mir haben auch einige Inhalte der Lektionen nicht zugesagt, aber das liegt auch immer an den ganz persönlichen Interessen – und man kann immer was überspringen.

Minuspunkte

Ich habe einige Schlampigkeiten im Text gefunden, z. B. c statt Ç, fehlende Accents, vor allem bei Großbuchstaben, beige statt belge etc.

Ich habe einige Übersetzungen ins Deutsche nicht ganz natürlich gefunden, aber da spricht vermutlich die Übersetzerseele in mir.

Gesamtbewertung

Tatsächlich habe ich in dem Buch so viele Schlampigkeiten gesehen, dass ich dazu geneigt war, einen Stern dafür abzuziehen. Allerdings gibt es ja mittlerweile eine neue Ausgabe und ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass die, zumindest großteils, dabei ausgemerzt wurden.

Daher möchte ich dem Punkt trotzdem die 5 Sterne geben, alleine schon deshalb, weil ich finde, dass sich Autoren und Herausgeber wirklich Mühe damit gegeben haben, ein didaktisch durchdachtes Lehrwerk für das Niveau zu entwickeln.

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Von | 2018-02-18T10:50:53+00:00 Februar 18, 2018|Die Welt der Sprachen|