Babelcube – Erfahrungsbericht aus der Sicht einer Romanübersetzerin

Endlich einen Roman übersetzen – der dann auch noch veröffentlicht wird. Ein Wunsch, den viele angehende Übersetzer hegen. Der Weg zu diesem Ziel ist aber mitunter gar nicht so einfach, denn wie ein Autor war der übliche Weg für Literaturübersetzer bislang ebenfalls, die Zusammenarbeit mit Verlagen zu suchen und dort unterzukommen.

Mit dem Selfpublishing, also dem eigenen Verlegen von Werken, das vor allem durch das Aufkommen der E-Books vorangetrieben wurde, ergeben sich neue Möglichkeiten, um diesen traditionellen Weg zu umschiffen. (Wie Romanübersetzer Selfpublishing für sich nutzen können, darüber gibt es übrigens einen eigenen Artikel).

Mit Babelcube hat sich dabei eine Distributionsplattform entwickelt, auf der selbstpublizierende Autoren und Romanübersetzer zueinanderfinden können und gemeinsam eine Übersetzung des Werkes auf den Markt bringen können. Die Plattform arbeitet ausschließlich nach dem Royalty-Sharing-Prinzip, das heißt, der Übersetzer enthält kein Pauschalhonorar für seine Arbeit. Übersetzer, Autor und Babelcube verdienen nur, wenn das Buch auch verkauft wird.

Babelcube scheidet die Geister – sowohl unter den Übersetzern als auch unter den Autoren. Unter den Übersetzern vor allem natürlich wegen des Royalty-Sharing-Modells und der daraus resultierenden, vermeintlich schlechten Bezahlung der Übersetzer. Ich bin im Sommer 2016 durch Zufall auf Babelcube gestoßen und habe es einfach ausprobiert. In diesem Artikel – der auch immer wieder mal aktualisiert werden soll – möchte ich meine Erfahrungen mit der Plattform festhalten und meine ganz persönliche Meinung teilen.

Stand: September 2017

Seit über einem Jahr bin ich nun auf der Plattform Babelcube registriert und um es schon mal vorweg zu nehmen: Ich bin geteilter Meinung – sowohl was die Plattform als auch das Vertriebsmodell an sich angeht.

Zusammenfassung: Wie funktioniert Babelcube?

Zunächst mal ein kurzer Überblick, wie die Plattform Babelcube (aus der Sicht einer Romanübersetzerin) funktioniert.

Nach erfolgreicher Anmeldung bei Babelcube legt man erstmal sein Übersetzerprofil an. Dazu werden die wichtigsten Informationen eingetragen, ein Bild hochgeladen und ein freier Text geschrieben. Formelle Qualifikationsnachweise müssen nicht vorgelegt werden, im Profiltext kann man diese aber natürlich vermerken. Anschließend gibt man noch an, aus welchen Sprachen man übersetzt und in welche Sprache. Auch für diese Auswahl müssen keine Qualifikationsnachweise vorgelegt werden und sie kann immer wieder verändert werden.

Für die Abwicklung von Zahlungen sind außerdem die Hinterlegung eines PayPal-Kontos und das Ausfüllen von amerikanischen Steuerformularen notwendig. Danach kann es im Prinzip losgehen.

Als Übersetzer kommt man auf zwei Arten zu Übersetzungsprojekten:

1. Man sucht sich selbst ein Projekt aus. Dazu stöbert man in der Suchfunktion nach Titeln, die für die angegebene Übersetzungsrichtung (z. B. Englisch > Deutsch) verfügbar sind. Dabei kann auch nach Genres, Autoren und Stichwörtern gesucht werden. Es sei gleich gesagt, die Suchfunktion von Babelcube ist nicht besonders schön gestaltet und sie ist auch etwas umständlich, aber man findet schlussendlich schon, was man sucht.

Als Übersetzer kann man übrigens nur nach Projekten in den Sprachkombinationen suchen, die man als Übersetzungsrichtungen angegeben hat. Da ich zum Beispiel nur ins Deutsche übersetze, kann ich nicht sehen, welche deutschen Romane auf Babelcube verfügbar sind, um zum Beispiel ins Englische übersetzt zu werden. Die Übersetzungsrichtung lässt sich allerdings im Profil einfach umstellen und ich habe das auch schon einige Male gemacht, einfach um zu sehen, was in den einzelnen Sprachen so verfügbar ist

2. Autoren kontaktieren Übersetzer. So wie Übersetzer nach Projekten suchen können, können Autoren nach Übersetzern suchen. Wie genau das funktioniert, weiß ich nicht, da ich nicht als Autor registriert bin. Allerdings bekommt man als Übersetzer, gerade wenn man ins Deutsche arbeitet, sehr oft Anfragen von Autoren, ob man denn das eigene Buch nicht übersetzen möchte.

Am Anfang mag das noch schmeichelhaft wirken, allerdings erkennt man schnell, dass viele Nachrichten Massenware sind. Einige Autoren schlagen sogar Projekte ohne persönliche Nachricht vor, etwas, das ich persönlich als total unhöflich empfinde. Viele Nachrichten sind auch sehr unpersönlich und es wird sofort klar, dass der Autor eine Copy+Paste-Nachricht an alle verfügbaren Autoren für eine Sprachkombi geschickt hat, ohne sich die Mühe zu machen, deren Profil zu lesen.

Wenn man sich also dazu entschieden hat, ein Übersetzungsprojekt zu starten (Tipps zur Auswahl gibt es unter anderem in diesem Artikel), schickt man ein Angebot an den Autor, ein sogenanntes Translation Offer. Der Name ist übrigens etwas irreführend, denn Preisverhandlungen oder ähnliches werden nicht geführt. Im Grunde genommen erklärt man durch das standardisierte Formular nur, dass man Interesse hat, den Titel auf Deutsch zu übersetzen, ob man dies alleine oder im Team macht (dazu komme ich noch) und welche Abgabefristen vorgeschlagen werden.

Nimmt der Autor das Angebot an, müssen alle Parteien (Übersetzer, eventuelle weitere Übersetzer, Autor, Babelcube) das Translation Agreement elektronisch unterfertigen. Dann – und erst dann – steht der Originalausgangstext auf Babelcube zum Download bereit.

Damit auch der Autor ein wenig Kontrolle über den Übersetzungsprozess hat, ist auf Babelcube vorgesehen, dass die ersten 10 übersetzten Seiten abgegeben werden. Hier hat der Autor dann die Möglichkeit, sich ein Bild von der Qualität der Übersetzung zu machen, und muss sie dann annehmen oder ablehnen. Mir persönlich ist es noch nie passiert, dass die abgelehnt wurden. Ich finde es aber im Prinzip gut, dass es diesen Schritt gleich mal zu Anfang gibt, um etwas Vertrauen zu schaffen.

Die Abgabe der 10 Seiten sowie dann der fertigen Übersetzung erfolgt über Upload auf Babelcube. Gleichzeitig müssen auch der übersetzte Titel sowie Buchbeschreibung und Autorenbiografie abgegeben werden. Dann ist für den Übersetzer erstmal alles erledigt. Der Autor muss die Übersetzung annehmen und kümmert sich um Cover. Soweit ich weiß, hat der Autor die Möglichkeit, noch Änderungen in der Formatierung vorzunehmen und das Manuskript dann neu hochzuladen. Auch der Übersetzer hat in der Folge immer wieder die Möglichkeit, eine Aktualisierung des Manuskriptes hochzuladen – der Vorteil von E-Books.

Babelcube kümmert sich dann um die Verteilung des Buches in den verschiedenen Onlinestores. Monate später trudeln die ersten Verkaufszahlen ein, noch ein paar Monate später die ersten paar Dollar, die dann hoffentlich bald mehr werden.

Soweit der allgemeine Überblick darüber, wie die Plattform funktioniert. Als nächstes gehe ich mal auf die Vorteile ein, die Babelcube meiner Meinung nach Übersetzern bietet.

Vorteil #1: Einfacher Kontakt zu Autoren

Babelcube ermöglicht es, schnell und unkompliziert Kontakt zu Autoren aufzunehmen, die auf der Plattform registriert sind und ihre Werke in eine andere Sprache übersetzt haben wollen. Auf einen Blick wird ersichtlich, welche Romane zur Übersetzung stehen und die Kommunikation kann schnell aufgebaut werden.

Vorteil #2: Projekte selbst aussuchen

Auf Babelcube gibt es eine Fülle an Romanen, die zur Übersetzung angeboten werden (zugegeben: bessere und schlechtere) und weit mehr Autoren als es Übersetzer gibt. Als Romanübersetzerin ist man daher wirklich in der Position, dass man sich das Projekt bzw. die Projekte selbst aussuchen kann. Eine seltene Freude im Leben eines Übersetzers.

Vorteil #3: Rahmenbedingungen der Projekte selbst festlegen

Nicht nur kann man sich das Projekt mehr oder weniger aussuchen, auch die Gestaltung der Rahmenbedingungen ist etwas freier. So wird zum Beispiel keine Deadline von einem Verlag vorgegeben, sondern es ist der Übersetzer, der sich überlegt, innerhalb welcher Frist er oder sie die Übersetzung fertigstellen kann.

Etwas eigenartig ist hierbei, dass kein Datum eingegeben wird, sondern man gibt an, wie viele Tage nach Vertragsabschluss die Übersetzung spätestens eingereicht wird. Da muss man ein bisschen rechnen und aufpassen. Denn 100 Tage klingen zwar sehr viel, aber mitunter können drei Monate ein kurzer Zeitraum sein – vor allem, wenn man nicht ständig an der Übersetzung arbeiten kann.

Vorteil #4: Kein Preiskampf

Klar, kein Preiskampf, denn man wird sowieso nur nach Verkaufserlös bezahlt. Neben der finanziellen Unsicherheit, derer man sich ganz klar bewusst sein muss, besteht wenigstens der Vorteil, dass man sich nicht – wie sonst so oft am Markt – mit niedrigen Preisen unterbieten muss. Das ist zwischenzeitlich wirklich eine Wohltat.

Viele argumentieren natürlich, dass Babelcube – oder generell das Royalty-Sharing-Modell – den Markt zerstört und ich möchte dem nicht widersprechen. Aber ganz ehrlich, so habe ich zumindest noch die Möglichkeit, im Laufe der Jahre auf ein ansprechendes Honorar zu kommen. Wenn ich mich schon in der Angebotsphase mit meinen Kolleginnen ständig unterbieten muss und dann zu einem minderwertigen Seitenpreis fix arbeiten muss, da bin ich mir nicht sicher, was besser ist… Hier mögen allerdings viele anderer Meinung sein, was verständlich und okay ist.

Vorteil #5: Einfacher Zugang für Literaturübersetzer

Gerade jungen Übersetzer, die den Einstieg in die Literaturübersetzung suchen, wird durch Babelcube geholfen, an Projekte zu gelangen und Titel zu veröffentlichen. Ich habe keine Erfahrungswerte damit gemacht, wie über Babelcube veröffentlichte Titel von Verlagen oder ähnlichen Institutionen bewertet werden, aber ich würde mal sagen, gerade für Einsteiger ist eine Veröffentlichung – sofern sie denn qualitativ hochwertig gemacht ist – besser als nichts.

Außerdem finden sich auf Babelcube viele interessante Projekte, die den Zahn der Zeit treffen. Wer Fantasy-Romane liebt, wird hier eher die Möglichkeit finden, an Übersetzungsprojekte zu kommen, als bei einem der wenigen Verlagshäuser unterzukommen.

Vorteil #6: Auftragsfreie Zeiten füllen

Das betrifft sowohl Übersetzer, die gerade erst mit der Selbstständigkeit beginnen, als auch erfahrene Kollegen, die auch immer wieder mit Schwankungen in der Auftragslage zu kämpfen haben. Ein Übersetzungsprojekt über Babelcube abzuwickeln, kann eine Möglichkeit sein, um auftragsfreie Zeiten zu füllen und damit eventuell ein Einkommen für die Zukunft zu generieren. Selbstverständlich keine gute Idee, wenn man schnell zu Geld kommen muss, denn die ersten Einkünfte trudeln erst viel, viel später ein.

Vorteil #7: Vereinfachte Administration und Distribution

Ich habe schon mehrmals mit Autoren darüber gesprochen, ob wir die Zusammenarbeit für weitere Übersetzungsprojekte nicht außerhalb von Babelcube regeln und eigene Vereinbarungen abschließen. Das ist aber natürlich mit erheblichen Aufwand verbunden, den einem Babelcube abnimmt: Standardisierte Verträge, in denen alles bis ins Detail geregelt ist, automatischer Bericht der Verkaufszahlen und der ausgeschütteten Tantiemen, die Einkünfte werden automatisch auf alle Vertragsparteien verteilt und auf die jeweiligen Konten ausbezahlt. Das sind Dienstleistungen, die nicht zu unterschätzen sind und erheblichen Aufwand bedeuten, wenn man das selbst angehen würde.

Babelcube kümmert sich außerdem um die Distribution der Übersetzungen in den verschiedenen Online-Stores. Das bringt zwar den Nachteil mit sich, dass man kaum bis gar keine Kontrolle darüber hat, wie und wo der Titel angeboten wird, aber es wird einem doch einiges an Arbeit abgenommen.

Nun zu den Nachteilen:

Nachteil #1: Kaum vorhandene Kommunikation mit Babelcube

Das hat mir am Anfang wirklich zu schaffen gemacht: Ich war mir nicht sicher, ob es sich um eine professionelle Plattform handelte, denn von den Personen, die hinter Babelcube stecken, hat man so gut wie nichts mitgekommen. Ein paar automatisierte E-Mails, aber keine Gesichter, keine Story, wie es oft bei Start-ups oder ähnlichen Philosophien üblich ist. Auch E-Mails an den Customer Support wurden kaum bis gar nicht beantwortet.

Zu Anfang meiner Babelcube-Zeit haben mir außerdem Autoren immer wieder „Horrorgeschichten“ über die Plattform erzählt, von wegen nicht-greifbare Mitarbeiter, Bücher, die nicht auf Amazon gelandet sind etc. Ich war mir lange wirklich nicht sicher, ob man der Sache trauen kann und ich habe von Anfang an damit gerechnet, dass ich kein Geld bekommen werde. Es war einfach ein Versuch und ich hatte nichts zu verlieren.

Mittlerweile bin ich etwas zuversichtlicher, was die Professionalität der Plattform angeht. Die Struktur dürfte sich etwas verbessert haben, Anfragen werden zumindest irgendwann mal beantwortet. Außerdem sind meine Sales-Berichte immer pünktlich gekommen, die Tantiemenberichte haben mit den Sales-Berichten immer zusammengepasst.

Babelcube ist sicher nicht die Art klassisches Start-up-Silicon-Valley-High-Speed-Ding, das alles dafür tut, um besten Kundenservice zu bieten. Im optischen Auftritt und auch in der Abwicklung mangelt es meiner Meinung nach noch an Professionalität, was ich schade finde. Aber vielleicht wird das noch.

Nachteil #2: Mangelnde Transparenz

Vielleicht ist das auch nur mein Eindruck, der täuscht, und vermutlich wird das durch die gerade erwähnte optisch wenig vorhandene Professionalität unterstützt, aber mir kommt vor, dass man als Übersetzer keine Möglichkeit der Kontrolle darüber hat, ob die berichteten Zahlen stimmen können.

Klar, irgendwann kommen pro Monat die Verkaufsberichte bzw. die Royalty-Reports und ich schaue mir die auch immer genau an, ob sie zusammenstimmen. Aber das sind alles bearbeitbare Excel-Tabellen, ich muss mich im Grunde genommen darauf verlassen, dass die berichteten Zahlen korrekt sind. Die Originalberichte von Amazon & Co. sind nicht zugänglich.

Nachteil #3: Schlechte Abstimmung zwischen Autor und Übersetzer

Babelcube leistet zwar gute Arbeit darin, Autoren und Übersetzer zusammenzubringen, aber ansonsten sind die beiden Rollen über die Plattform kaum verbunden. Die Kommunikation kann über Nachrichten auf Babelcube erfolgen, dieses Mailsystem ist allerdings nicht besonders anwenderfreundlich. Der Übersetzer kann nicht sehen, welche Verkaufsaktion der Autor eingeplant hat oder es gibt beispielsweise keinen gemeinsamen Workspace für ein Buch, wo zum Beispiel Covers etc. hochgeladen werden. Vor allem für den Teil nach der Fertigstellung, dem Vertrieb und dem Marketing des Buches, bietet die Plattform keine Möglichkeiten zur Abstimmung und zur Zusammenarbeit.

Alles hängt natürlich davon ab, wie sich Autor und Übersetzer selbst zusammentun. Mit den meisten Autoren kommuniziere ich mittlerweile außerhalb von BC über E-Mail oder Skype. Wir nutzen die Plattform vor allem zur Abwicklung des Übersetzungsprojektes, damit die rechtlichen Rahmenbedingungen gesetzt sind. Was das Marketing und alles andere betrifft, handeln wir meist außerhalb der Plattform.

Nachteil #4: Es tummeln sich dort einige schwarze Schafe…

Wie überall auf solchen Plattformen gibt es eine Vielzahl an Usern – sowohl Übersetzer als auch Autoren – die einfach mitmischen und schnelles Geld machen wollen. Besonders Anfang 2017 ist mir aufgefallen, dass ich beinahe täglich von irgendwelchen Leute angemailt wurden, die mir eines ihrer 254 Kochbücher mit veganen Rezepten zur Übersetzung angeboten haben. Wenn man sich die Titel auf Amazon angesehen hat, wurde schnell klar, dass es sich um Personen handelte, die einfach auf den „Schnelles Geld mit E-Books verdienen“-Zug aufgesprungen sind. Davon nehme ich persönlich Abstand.

Es gibt auf Babelcube auch einige wirklich schlecht geschriebene Titel. Wie gesagt, es geht um Selfpublishing, es gibt keine Qualitätskontrolle und im Grunde genommen kann jeder Mist veröffentlicht werden. Es ist als Übersetzer mit Qualitätsanspruch wirklich wichtig, die Projekte gut auszuwählen und auf die Professionalität der Autoren zu achten.

Aber auch unter den Übersetzern habe ich schon einige eigenartige Profile gesehen. Es ist ja gar nicht so einfach, die Profile der Kollegen zu finden, aber über Umwege habe ich das eine oder andere gesehen: Da gibt es Leute, die aus 10 Sprachen in 10 Sprachen übersetzen… Ich meine, ich bin auf jeden Fall jemand, der von sich behauptet, mit vielen Sprachen arbeiten zu können, und gut, von mir aus noch aus 10 Sprachen, wenn jemand richtig vielsprachig ist (ich kenne solche Leute J). Aber Romane, also Literatur gut in 10 Sprachen zu übersetzen. Tut mir leid, da sage sogar ich, das kann nicht gehen.

Und dann haben die Kollegen auch noch 26 offene Übersetzungsprojekte. Kann das professionell sein? Gut, ein Blick auf die Liste verrät, dass das dann oft Leute sind, die genau solche oben erwähnten Kochbuchaufträge annehmen bzw. allgemein im Sachbuchgenre auf Babelcube unterwegs sind und schnell ganz viel raushauen wollen. Ist wohl auch etwas, was dieses Royalty-Sharing-Modell mit sich bringt.

Nachteil #5: Kaum Einflussnahme auf den Verkaufsprozess

Der Übersetzer hat eigentlich keine Einflussnahme auf den Verkaufsprozess. Babelcube entscheidet, auf welchen Plattformen die Übersetzung vertrieben wird, der Autor setzt Preis und eventuelle Rabattaktionen fest. Ich habe das Glück, mit den meisten Autoren gut und eng zusammenarbeiten und dass wir uns bei solchen Dinge absprechen, aber ansonsten ist der Übersetzer hier machtlos.

Hier können einem gute Distributionsmöglichkeiten entgehen. So publizieren zum Beispiel einige Autoren ihr Originalwerk, für das sie alle Rechte besitzen, auf Amazon KDP, was dazu führt, dass ihr Buch über Kindle-Unlimited vertrieben wird. Das kann für gewisse Subgenres der gewinnbringendste Vertriebsweg sein. Sobald die Rechte für die übersetzte Version an Babelcube abgetreten werden, ist das nicht mehr möglich.

Nachteil #6: Allgemeine Nachteile des Royalty-Sharing-Modells

Darüber möchte ich mich an dieser Stelle nicht zu sehr auslassen, denn das betrifft natürlich nicht nur Babelcube, sondern das Modell im Allgemeinen: Es ist für den Übersetzer ungewiss, wie viel Honorar er am Ende verdient und wann. Die Einkünfte lassen sich nicht planen, erfordern viel Einsatz, der am Ende unbelohnt bleiben kann, und kommen teilweise mit Jahren Verspätung an. Entweder man akzeptiert das oder entscheidet sich für einen anderen Weg.

1 Jahr Babelcube – mein Resümee

Nun bin ich seit etwas mehr als einem Jahr auf Babelcube angemeldet. Insgesamt ist mein Resümee positiv, ich konnte mittlerweile einige Romane veröffentlichen, von denen sich einige gar nicht so schlecht verkaufen.

Am Anfang war es viel Ausprobieren und ich habe einige Fehler gemacht. So würde ich heute kein Übersetzungsprojekt mehr annehmen, ohne vorher das Original komplett gelesen zu haben. Leider stellt Babelcube das Original erst nach Vertragsabschluss zur Verfügung, aber ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, die Autoren um das Original zu bitten. Wer professionell arbeitet, wird das verstehen. Bei Projekten, die mich so interessieren, bei denen mich aber nicht der Autor kontaktiert, kaufe ich mir das Buch auf Amazon.

Für mich hat sich außerdem die Zusammenarbeit mit Editoren bezahlt gemacht. Auf Babelcube gibt es ja die Möglichkeit, sich zu Übersetzungsteams zusammen zu tun. Ich habe bis jetzt ausschließlich mit Mädls zusammengearbeitet, die ich auch privat kenne und von denen ich weiß, dass sie super gut arbeiten. Für mich war das bislang eine super Erfahrung und ich profitiere regelmäßig von ihrem Input. Im Übersetzungsprozess klebt man manchmal so am Ausgangstext, dass man oft die wahnwitzigsten Dinge übersieht. Ich würde kein Projekt mehr ohne Editor abwickeln.

Was das Geld angeht – und schließlich geht es ja vor allem darum – kann ich berichten, dass in den letzten Monaten tatsächlich die ersten Euro auf meinem Bankkonto eingegangen sind. Die Gesamteinnahmen bewegen sich noch im dreistelligen Bereich, aber es wird kontinuierlich mehr, vor allem auch dadurch, dass ich immer mehr Titel draußen habe.

Ich führe übrigens genau Aufzeichnungen darüber, wie viel Zeit ich in welches Projekt investiere und wie viel Geld ich für jede Übersetzung eingenommen habe. So kann ich im Laufe der Monate dann verfolgen, ob sich ein Projekt wirklich für mich gelohnt hat oder ein totaler Flop war. Um hier schon einen Erfahrungsbericht von mir zu geben, ist es einfach noch zu früh, da noch zu wenig Zahlenmaterial vorliegt. Die meisten Romane haben erst in den letzten Monaten Fahrt aufgenommen und es wird sich erst in der nahen Zukunft zeigen, wie sich das in Zahlen ausdrückt.

Nach wie vor nicht glücklich bin ich mit dem optischen Eindruck, den die Plattform vermittelt und der Anwenderfreundlichkeit. Alles in allem würde ich Babelcube drei Sterne geben – die Vorteile und die Nachteile halten sich für mich die Waage. Ich finde das Konzept im Prinzip gut, aber man könnte es viel besser und viel professioneller umsetzen. Vielleicht macht das ja auch bald mal jemand.

Ich bin nicht davon abgeneigt, auf der Plattform zu arbeiten, möchte mich in Zukunft aber auch verstärkt anderweitig orientieren und zum Beispiel die direkte Zusammenarbeit mit Autoren oder Verlagen suchen.

Fazit

Babelcube bietet sowohl einige Vorteile als auch Nachteile. Wer als Übersetzer auf Babelcube arbeiten will, tut gut daran, Autoren, Projekte und mögliche Übersetzungspartner gut zu recherchieren und auf Herz und Nieren zu prüfen. Man muss sich selbst zu helfen wissen und darf sich nicht alleine auf die Plattform verlassen.

Die Projekte sollten klug ausgewählt werden und nur mit einem Übersetzungsprojekt kommt man nicht weit. Babelcube eignet sich für alle, die regelmäßig Romane übersetzen wollen und sich nebenbei eine weitere Einkommensquelle aufbauen wollen. Ein wachsames Auge schadet dabei – wie immer im Geschäftsleben – nie.

Von | 2018-01-09T16:00:03+00:00 Dezember 7, 2017|Arbeiten mit Sprachen|