Kaixo! Baskisch zum Spaß (Projekt-Update 1)

Herbst 2012. Ich genieße die Vorlesung meines Lebens! Jeden Dienstag 10:15 – 11:45, Hörsaal 2. Der klingende Titel: „Die Sprachen der Erde“. Ja, mein Traum. Ein Semester lang lernen wir über all die wunderbaren verschiedenen Sprachen und Sprachsysteme, die es auf dieser schönen Welt gibt. Und während dieser Vorlesung habe ich mir eines geschworen: Irgendwann lerne ich eine Sprache mit Ergativ! Und jetzt ist es soweit. Denn ich lerne Baskisch!!!!

Baskisch hat mich tatsächlich schon länger fasziniert. Eine uralte Sprache, vielleicht die älteste in Europa, die mit so wirklich überhaupt keiner (soweit wir wissen) anderen Sprache auf der Welt verwandt ist. Eine sogenannte isolierte Sprache. Eine, die sich so richtig ganz alleine entwickelt hat. Dazu soll die baskische Grammatik voller abgründiger Geheimnisse sein, unzählige Fälle, darunter natürlich der Ergativ (um es kurz zu machen, der Ergativ ist ein ganz bestimmter Fall in der Substantivdeklination). Praktisch unmöglich zu erlernen (naja, ihr wisst ja, was so über schwierige Sprachen gesagt wird). Zudem habe ich ein Faible für sogenannte „Randsprachen“, also Sprachen, die nicht jeder kann und kennt.

Da mich das Leben jetzt auch noch fast bis ins französische Baskenland gebracht hat (gute 20 Kilometer liegen noch zwischen uns), konnte ich der Versuchung einfach nicht widerstehen: Es muss Baskisch gelernt werden.

Mein Ziel

Ich lerne Baskisch rein aus Spaß an der Freude, einfach weil ich Lust habe, in dieses Mysterium einzutauchen. Als Grammatikfan und Leseratte habe ich ja das größte Vergnügen, wenn ich mich einfach mit meinem Büchlein hinsetzen und büffeln kann.

Mein Ziel ist es nicht, fließend Baskisch zu sprechen. Ich werde wohl auch nie eine anregende Unterhaltung auf Baskisch führen – auch wenn man niemals nie sagen sollte, die Basken sind gesellig 🙂 Aber Spaß an der Freude ist ja kein „ordentliches“ Ziel im Sinne der Selbstdisziplinierung und so musste ein messbares Ziel her:

Vielleicht wisst ihr schon, dass ich eine Sache sammle: Die Übersetzungen des Mord im Orientexpress von Agatha Christie. Und vor einigen Jahren hat mir mein Polyglotfreund Miro die baskische Übersetzung geschenkt (in weiser Voraussicht?). Mein Baskischziel ist ganz simpel: Ich möchte den Mord im Orientexpress auf Baskisch lesen.

Ich habe kürzlich mal die erste Seite gelesen und ganze drei Wörter erkannt, darunter das Wort „und“ („eta“). Der Weg ist also nicht mehr so lang, wie er einmal war…

Ja, ich weiß, ein Ziel sollte auch zeitlich befristet sein und so weiter. Das ist mir im Moment alles egal – vielleicht ändert sich das mal, aber ich arbeite einfach mal brav vor mich hin. Es soll ja nur Spaß sein. Die Motivation ist kein Problem, eines meiner weiteren Projekte ist nämlich, das Baskenland zu erkunden 😉

Meine Methode

Ich habe mir schon vor einigen Wochen Basque Unifié (Initiation) von Assimil gekauft (das Buch ist auf Französisch) und das arbeite ich durch. Mittlerweile (Ende April 2018) bin ich bei Lektion 10.

Ich mache fast jeden Tag 15-20 Minuten und dabei meist eines der folgenden Dinge:

Option 1) Ich lese die neue Lektion oder die Grammatikerklärungen und versuche Neues zu verstehen, ohne wirklich zu lernen. Das ist für mich allerdings sehr schwierig, denn dabei kann ich nur wenig behalten. Ich brauche strukturiertes Arbeiten. Das ist wirklich nur so ein Vorschnuppern in die neue Lektion. Teilweise notiere ich dabei gleich die Übersetzungen der  neuen Vokabeln im Text.

Option 2) Ich arbeite den Text bzw. einen Teil des Textes strukturiert durch. Das heißt, ich schreibe jeden Satz einzeln in mein Heft ab, analysiere ihn grammatikalisch und übersetze ihn. Dabei brauche ich oft minutenlang für einen Satz, denn ich analysiere ihn ganz strukturiert. Ich suche das Prädikat, das Subjekt, bei Baskisch natürlich die ganzen Endungen, was gehört zusammen etc. Dabei verwende ich verschiedene Farben und notiere viel. Das ist schlussendlich das, was mir wirklich beim Lernen und Verstehen hilft.

Option 3) Ich mache eine reine Vokabelsuch-Session. Da bin ich meist einige Lektionen hinten, also zum Vergleich beim strukturierten Arbeiten bin ich gerade in Lektion 10, beim Vokabeln suchen in 8. Ich habe eine Excel-Liste, in die trage ich alle Baskisch-Vokabeln ein. Gleichzeitig lege ich die Vokabelkarte in Anki, meinem Vokabellernprogramm, ein und füge die Aussprachedatei von Forvo ein.

Durch die Kombination dieser drei Dinge wiederhole ich immer wieder Gelerntes und gehe aber gleichzeitig auch immer wieder weiter. Ich stecke nicht in einer Lektion fest und muss nicht solange büffeln, bis ich alles kann. Abgesehen davon, sagt ja die Assimil-Methode, dass man nicht auswendig lernen sollte. Hier ist meine Vokabellern-Methode eh schon eine Abweichung.

Zusätzlich zu den 15-20 Minuten Baskisch lernen, lerne ich also mit Anki. Meine Einstellung ist: 3 neue Karten pro Tag, 15 Wiederholungen pro Tag. Ich lerne die Karten hinten und vorne, das heißt, ich lerne sowohl Baskisch > Deutsch als auch Deutsch > Baskisch. Ganz ehrlich, die baskischen Vokabeln zu behalten, fällt mir nicht leicht. Ich kann an keinen Vorkenntnissen anknüpfen, um mir die Wörter zu merken. Es hilft mir allerdings, dass ich die Audiodateien einfüge, denn die Kombination aus Sehen und Hören sorgen zumindest für etwas bessere Haftung im Gehirn.

Mein Material

Das Buch von Assimil ist meine Hauptquelle. Es basiert auf der klassischen Assimil-Methode, die ich gerne mag, und bislang bin ich zufrieden. Ich habe keine Audio-CDs dazu. Ich gebe zu, das ist vermutlich nicht gerade förderlich für meine Aussprache. Ich hoffe, ich kann durch Forvo einiges ausgleichen. Zudem kommt dazu, dass ich recht oft Baskisch im Radio höre.

Zudem habe ich die E-Buch-Version von Kauderwelsch Baskisch. Ich nutze dieses Werk nicht als Lehrbuch, mit dem ich strukturiert arbeite, aber ab und zu, wenn ich keine Lust auf Assimil habe, schaue ich mir ein paar Sätze daraus an. Außerdem wird darin die Grammatik strukturierter und übersichtlicher erklärt. Ich persönlich könnte nicht nur mit diesem Büchlein lernen, aber ich bin prinzipiell niemand, der mit sogenannten „Phrasebooks“ arbeiten kann.

Es gibt auf Memrise-Kurse für Baskisch, ich habe da einen angefangen, aber nicht weitergemacht. Ich bin prinzipiell kein Memrise-Nutzer – einfach weil ich schon Anki nutze. Aber es war nicht schlecht, vor allem weil ich dadurch ein paar Basics wie Danke etc. gelernt habe, die im Assimil-Buch nicht am Anfang nicht gleich vorkommen. Aber auch diese Worte habe ich dann in Excel und Anki übertragen.

Zudem habe ich im Autoradio den Radiosender Gaztea eingespeichert und ich höre immer wieder rein. Ich verstehe wirklich nichts, aber ab und zu das eine oder andere Wort. Außerdem bekommt man ein Gefühl für die Aussprache und den Rhythmus. Und die Musik ist nicht schlecht 😉

Leider gibt es keinen Duolingokurs Baskisch. Schade, schade, das wäre super.

Wie soll es weitergehen?

Wie bisher. Wie gesagt, es soll Spaß machen und ich will einfach Schritt für Schritt ein bisschen mehr lernen. Schnelle Fortschritte sind vorerst nicht geplant 🙂

Soweit ein erstes Update von meinem Baskischprojekt. Solltet ihr auch gerade an einem Spaßprojekt arbeiten, dann wünsche ich euch ganz viel Freude damit!

Links:

 

Von | 2018-04-27T18:43:07+00:00 April 27, 2018|Die Welt der Sprachen|