Buch-Review: How to Speak Any Language Fluently (Alex Rawlings)

Nun, man könnte meinen, wenn man sich jahrelang mit dem Sprachenlernen beschäftigt hat, ja sogar ein Sprachstudium absolviert, dann hat man den Dreh raus, wie das funktioniert. Stimmt teilweise, denn Sprachenlernen ist immer individuell und das eine Rezept für alle gibt es sowieso nicht. Trotzdem ist es sinnvoll, sich immer wieder auch bewusst mit dem Thema „Wie lerne ich?“ auseinanderzusetzen und in einer etwas demotivierten Phase habe ich deshalb zu Alex Rawlings Buch How to Speak Any Language Fluently gegriffen, um mal wieder ein paar neue Impulse zu setzen.

Hier ein paar Gedanken dazu und eine klare Empfehlung…

Zuerst mal zum Autor: Alex Rawlings ist in der Welt der Sprachenthusiasten kein unbeschriebenes Blatt – ganz im Gegenteil eigentlich. Er ist Mitorganisator der Polyglot Conference, spricht mehr als 12 Sprachen und hat es mit seinem Können mittlerweile auch in die Medien geschafft. Der Kerl weiß, wovon er spricht. Ehrlich gesagt, hätte ich mir das Buch auch sonst nicht gekauft – hier wusste ich, da schreibt einer, von dem ich was lernen kann.

Mir war klar, dass ich in dem Buch wenig Neues finden würde – es war mehr als Auffrischung und Motivation gedacht und mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden.

Pluspunkt: Guter Überblick

In diesem Buch behandelt Alex alle Themenbereiche, die sich rund um das Erlernen einer Sprache drehen, angefangen von der Auswahl der Sprache bis hin zum „am Leben halten“, wenn der Lernprozess erst einmal abgeschlossen ist. Es geht – im Gegensatz zu anderen Werken in diesem Bereich – nicht nur darum, eine Sprache ganz schnell zu lernen bzw. möglichst schnell zu sprechen. In dem Buch werden wirklich alle Bereiche wie Wortschatz, Grammatik, Aussprache, aber eben auch Sprechen ausführlich behandelt. Man erhält also wirklich einen guten Überblick bzw. kann man einfach mal in bestimmten Kapiteln nachschlagen.

Die einzelnen Kapitel sind wirklich ausführlich behandelt und es werden viele Werkzeuge – aber auch nicht zu viele – vorgestellt. Und auch wenn ich eigentlich alle Werkzeuge schon kannte, so waren doch einige Gedanken dabei, die für mich neu waren.

Pluspunkt: Eigenverantwortung im Vordergrund

Was mir an diesem Buch besonders gut gefällt, Alex stellt die Eigenverantwortung des Lernenden in den Fokus. Wir müssen uns überlegen, warum wir welche Sprache lernen und uns des Aufwandes und der Energie, die wir investieren müssen, bewusst sein. Ohne eigenen Antrieb geht nichts und zufliegen tut einem schon überhaupt gar nichts.

Auch bei einzelnen Methoden, wie etwa dem Sprachunterricht mit einem Lehrer, betont er die Wichtigkeit, selbst zu einem erfolgreichen Unterricht beizutragen und sich nicht darauf zu verlassen, dass einem die Lehrperson schon alles beibringt.

Alex spricht vor allem darüber, wie erfreulich das Ergebnis des Lernens ist und redet den Weg dorthin keineswegs schön. Eine erfreuliche Abwechslung gegenüber anderen Büchern, die versuchen, einen möglichst durch den Lernprozess zu tätscheln und durch Standardphrasen Motivation herbeizaubern wollen. Nichtsdestotrotz werden auch die Freuden des Prozesses aufgezeigt bzw. Gedanken mitgegeben, wie eine weniger packende Phase „verbessert“ werden kann.

Neutral: Übungen

Am Ende eines jeden Kapitels ist eine Reihe von Übungen angeführt, die helfen sollen, die Informationen aus dem Kapitel für einen selbst anzuwenden. Für das bessere Verständnis oder vielleicht auch zur Inspiration werden auch Beispiellösungen gegeben. Das persönlich finde ich nett, vor allem für Leser, die sich mit dem Thema Sprachenlernen noch nicht so beschäftigt haben. Mir persönlich war das allerdings nicht wichtig, ich habe die Dinge meist nur überflogen bzw. gar nicht gelesen. Daher keine Meinung dazu meinerseits.

Neutral: Ausführliche Erklärungen

In diesem Buch werden einige Begriffe, die mit dem Sprachenlernen verbunden sind, z. B. grammatikalische Grundbegriffe, sehr ausführlich erklärt. Im Bereich Grammatik wird beispielsweise seitenweise auf die Bedeutung von Adverbien und Präpositionen eingegangen. Das mag für Leser, die in dem Thema noch nicht so bewandert sind, sehr hilfreich sein, ich habe die Sachen allerdings übersprungen.

Einziger kleiner Kritikpunkt: Formatierungsproblem?

Der einzige Kritikpunkt, den ich äußern kann, bezieht sich vermutlich nur auf die E-Book-Version (Kindle): Immer wieder kommt es im Buch vor, dass ein Satz oder Absatz doppelt vorkommt und zwar genau darunter, so als ob er einfach zwei Mal hineinkopiert geworden wäre. Das ist etwas irritierend. Aber gut, das soll mein einziger Kritikpunkt bleiben. Von mir bekommt das Buch trotzdem fünf Sterne.

Fazit

Ich kann das Buch wärmstens empfehlen, egal ob Einsteigern oder langjährigen Enthusiasten. Wie eingangs erwähnt, ich habe das Buch auch zur Motivation gelesen, nachdem ich ein bisschen aus meiner eigenen Routine gefallen bin. Durch die neuen Impulse war ich wieder top-motiviert und habe wieder Pläne für die nächsten „Sprachmonate“ geschmiedet. Auch einige Wochen später habe ich einzelne Kapitel nochmal durchgelesen, um mir ein paar der Gedanken frisch zu halten.

Lohnt sich!

How to Speak Any Language Fluently von Alex Rawlings

Von | 2018-01-09T15:40:33+00:00 Dezember 21st, 2017|Die Welt der Sprachen, review|0 Kommentare