Duolingo-Review: Crown Levels

Die meisten von euch wissen ja, dass ich schon seit einigen Jahren regelmäßig Duolingo nutze. In letzter Zeit habe ich wieder intensiver damit gearbeitet und mir Gedanken gemacht. Zudem hat die Einführung der Crown Levels (Ich glaube, im Deutschen heißen sie einfach Kronen) einige signifikante Veränderungen mit sich gebracht. Ich hinterfrage ja immer wieder die Nutzung von Duolingo und habe meine aktuellen Gedanken jetzt mal zusammengetragen.

Erstmal die Crown Levels

Ich gebe zu, ich war erstmal ziemlich erschrocken, als die Umstellung passierte, und war mir nicht sicher, wie ich damit umgehen soll. Zu dem Zeitpunkt vor ein paar Monaten habe ich gerade nur am Französisch-Baum gearbeitet. Ich war vielleicht bei der Hälfte und habe auch immer jeden Tag wiederholt (Funktion „Strengthen Skills“). Ich bin also nicht nur immer weiter den Baum nach unten gegangen, sondern habe auch an den alten Skills gearbeitet. Das hatte zur Folge, dass nach der Umstellung die meisten Fähigkeiten oben am Baum auf Level 3 waren, die weiter unten auf 2 und die, die ich so in letzter Zeit gemacht hatte, auf Level 1. Ich habe mich erst mal überhaupt nicht ausgekannt und musste mich einlesen.

Die Crown Levels wurden von Duolingo eingeführt, um es zum einen Lernern einer neuen Sprache einfacher zu machen, da die Übungen auf Level 0 nicht so schwierig sind und sie dann Schritt für Schritt mit jedem Level tiefer in das jeweilige Thema eintauchen können. Zum anderen sollen damit neue Anreize für fortgeschrittene Lerner geschaffen werden, die vielleicht den Baum schon einmal durch haben und nicht einfach immer nur unendlich wiederholen möchten. (Hier setzt der Gamification-Effekt ein: Wenn ich weiterhin etwas freischalten kann ‒ hier die höheren Levels ‒ bleibe ich eher motiviert.)
Am Anfang der Umstellung gab es noch keine Möglichkeit, das nächste Level freizutesten. Das bedeutete, auch wenn ich schon fortgeschrittene Kenntnisse in Französisch hatte, musste ich, um Level 5 der allerersten Skill zu erreichen, alle Levels durcharbeiten – und da waren teilweise 20 Lektionen zu absolvieren. Das fand ich nachteilig, auch wenn ich selbst nicht wirklich nutze. Mittlerweile lassen sich die einzelnen Levels auch austesten, mit dem bereits bekannten Test mit den drei Herzen.

Meine Meinung zu den Crown-Levels

Nach anfänglichem Zögern bin ich mittlerweile ein Fan der Crown-Levels. Mir persönlich hilft es, mich mit verschiedenen Stufen der Sprache zu beschäftigen (genaue Beschreibung folgt weiter unten), also zum Beispiel die totalen Basics zu wiederholen, irgendwo in der Mitte in der Grammatik rumzutümpeln und gleichzeitig aber auch schon fortgeschrittenere Sachen zu üben.

Mir persönlich gefällt es auch, dass ich nun statt einfach nur „Üben“ wirklich Levels erarbeiten kann. Das motiviert mich – die Gamification-Psychologie wirkt bei mir auf jeden Fall. Statt einfach nur einen Baum durchzuarbeiten – und seien wir uns ehrlich, nur einmal einen Duolingo-Baum durchzuarbeiten bringt gar nichts, der Trick von Duolingo ist der Drill der Wiederholung – kann man jetzt auch noch alle Skills auf Gold (aka Level 5 bringen). Auf Gold konnte man die Skills früher auch schon bringen, aber nach einer Zeit verloren sie die Farbe wieder, wenn man nicht regelmäßig die Skill wiederholte. Es war eigentlich unmöglich, alle Skills auf Gold zu halten. Vor allem für jemanden, der nicht jeden Tag zwei Stunden damit verbringen kann. Nicht so wie mein Kollege Gabriel, der dann einfach mal 4000 XP an einem Tag raushaut (Sorry Gabriel, aber den Haken konnte ich mir nicht verkneifen!)

Somit kann ich mir in meiner Obsession „Dinge fertig zu machen, zu einem Ende zu bringen“ das Ziel setzen, einen Baum komplett durcharbeiten und alle Skills auf Level 5 zu bringen, und kann das Ziel auch erreichen, ohne jeden Tag „Angst“ haben zu müssen, dass irgendeine Skill wieder nach unten gesunken ist. (Nicht dass ich schon so weit wäre – peu à peu…) Somit kann dieses unmessbare, unendliche und somit häufig demotivierende Ziel „eine Sprache lernen“ zumindest in ein messbares Teilziel heruntergebrochen werden. (TEILziel – ich behaupte nach wie vor, dass man mit Duolingo alleine keine Sprache lernen kann!)

Aktuelles Duolingo-Vorgehen

Im Moment habe ich einen guten, konstanten Rhythmus, was Duolingo angeht. Mein Ziel ist, in den Sprachen täglich dran zu bleiben, ein bisschen zu wiederholen, Grammatik zu drillen usw. Ich nutze Duolingo nicht, um eine neue Sprache zu lernen. (Obwohl ich wirklich gerne Duolingo Baskisch hätte…hiermit ist der Wunsch also beim Universum platziert!)
Ich mache jeden Tag beim Frühstück Duolingo für die Sprachen Französisch, Spanisch, Italienisch und Schwedisch. Ich habe vor kurzem alle Bäume wieder auf Null gestellt (den französischen schon vor ein paar Monaten, da bin ich also schon weiter).
Als Beispiel mein Französisch-Baum:

Basics 1 ist komplett fertig. Ich fange also bei der nächsten Skill an, die auf Level 4 liegt – in dem Fall Basics 2 – und mache davon ein Set. Dann gehe ich zur nächsten Skill, die auf Level 3 liegt, in dem Fall Phrases und mache auch ein Set. Die nächsten auf Level 3 lasse ich aus. Ich gehe zum nächsten, das auf Level 2 liegt, was hier Present 1 wäre:

Dann das nächste auf Level 1 und das nächste der sozusagen noch nicht gemachten. Immer jeweils ein Set. So komme ich auf allen Levels und an verschiedenen Stellen am Baum weiter. Am Anfang war ich natürlich noch nirgendwo auf Level 4. Die Idee ist aber immer, ein Set vom höchsten Level zu machen, das gerade da ist, dann eins vom nächstniedrigeren etc.

Das Prinzip funktioniert für mich gut, weil es mir eine Struktur gibt, wie viel ich jeden Tag mache. Sonst mache ich einfach wahllos irgendeine Skill und je nach Lust und Laune mehr oder weniger. Aber dieses Vorgehen gibt mir sowas wie einen Plan. Und mein Seelenheil braucht einen Plan 🙂

Das mache ich dann für alle vier Sprachen. Dafür brauche ich ungefähr 25-30 Minuten pro Tag. Zugegebenermaßen wird es natürlich immer aufwändiger, je weiter ich komme, denn jetzt bin ich plötzlich in allen Sprachen zumindest irgendwo auf Level 4, das sind dann schon jeweils 5 Sets pro Sprache pro Tag. Bei Französisch bin ich auch schon relativ weit unten am Baum und da werden auch die Sets immer länger. Momentan geht sich das zeitlich aus, aber ich würde auch gerne noch ein paar Sprachen dazunehmen, z. B. Portugiesisch, damit ich in der Übung bleibe. Abgesehen davon, dass mich das große Angebot von Duolingo immer wieder dazu verleitet, was Neues anzufangen, wie Dänisch oder Swahili – einfach weil’s geht… #nerdproblems!

Ah und was ich vielleicht noch ganz am Ende hinzufügen sollte, ich mache Duolingo immer nur am Computer. Zum einen hat man da keine Werbung – zumindest bislang – und zum anderen finde ich die Desktop-Version und die Übungen viel gelungener als die App. Mit der Tastatur kann ich ordentlich tippen und ich brauche das, damit ich wirklich genau auf die Endungen und alles aufpasse. Außerdem muss ich noch dazusagen, dass ich neben Duolingo jeden Tag noch meine Anki-Session zum Vokabellernen mache. Die Kombi passt mir im Moment gut. (Funktioniert allerdings weniger gut, wenn ich unterwegs bin.)

Über die Sinnhaftigkeit von Duolingo lasse ich mich an dieser Stelle nicht aus. Für meine spezifischen Zwecke reicht es im Moment, aber am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob es für jemanden sinnvoll ist oder nicht. Auf alle Fälle viel Spaß!

Von | 2018-06-29T11:33:59+00:00 Juni 29, 2018|Die Welt der Sprachen|