Seite für Seite ans Ziel (Projekt-Update 2)

In meinem Baskisch-Projekt bin ich mittlerweile bei Assimil-Lektion 14 angekommen, das heißt, ich habe zwei Mal sechs Lektionen plus jeweils eine Wiederholungslektion geschafft. Dafür, dass ich schon seit mehreren Monaten daran arbeite, ist das erst mal kein besonders großer Fortschritt. Da ich mir selbst aber keinen Druck gemacht habe und es ganz ruhig angegangen bin, kann ich dennoch zufrieden sein. Es zeigen sich nämlich erste Erfolge: Vereinzelt verstehe ich irgendwo Worte, die ich im Radio höre oder mal auf einem Schild sehe. Da freue ich mich dann immer wie ein Schnitzel und bin ganz motiviert, mich hinzusetzen und weiterzulernen.

Es gab zwischendurch tatsächlich mal eine Periode von ein paar Wochen, in denen ich gar nichts gemacht habe, außer täglich die Anki-Vokabeln zu lernen. (Wer’s genauer wissen will, ich mache 3 neue Wörter und 15 Wiederholungen pro Tag) Aber gerade dieses sacken lassen, hat mir im Nachhinein gesehen recht gut getan. Ich merke, dass ich für Baskisch-Vokabeln einfach viel länger brauche, bis ich sie mir einpräge. Da ist es gut, den Kopf nicht ständig mit neuen Dingen zu füllen, sondern erst mal das ordentlich „aufzuarbeiten“, was ich schon gelernt habe.

Bei den 14 Assimil-Lektionen bin ich eigentlich schon vor einiger Zeit angekommen, ich habe aber bis jetzt nicht weitergemacht, um eben mal einiges sacken zu lassen. Insbesondere war ich total verloren im baskischen Verbsystem. Ich habe mir mal in einem anderen Buch ein paar Sachen angeschaut und dabei schon ein paar Dinge gelernt, die in Assimil noch nicht dran waren. Daraus habe ich einiges mitgenommen, ich glaube, da werde ich beizeiten einen eigenen Post verfassen.

Mein Ziel ist es ja, irgendwann die baskische Übersetzung des Mord im Orientexpress von Agatha Christie zu lesen. Ja, und ich hab mir gedacht, irgendwann muss man ja mal anfangen. Also habe ich mir jetzt auf zwei Tage verteilt, die erste Seite – die eigentlich nur eine halbe ist – vorgenommen und damit gearbeitet. Davon möchte ich kurz erzählen.

Welche Wörter kann ich identifizieren?

Als erstes habe ich die Seite in mein Notizbuch abgeschrieben. Ja, abgeschrieben. Ich bin ein Fan vom Schreiben mit der Hand und bin der Meinung, dass es mir hilft, mich besser zu konzentrieren. Da ich eher eine schlampige Leserin bin, fallen mir sonst Kleinigkeiten oft nicht auf.

Als nächstes habe ich einfach mal alle Wörter markiert, die ich erkannt habe. Das waren überraschend viele, wie ihr auf dem Foto seht 🙂

Oft habe ich natürlich nur den Stamm erkannt. Im Baskischen werden Endungen an die Wörter drangehängt, um die Grammatik zu bilden. Die kann ich ja im Normalfall noch nicht und das habe ich jetzt auch einfach mal komplett ignoriert. Manchmal wiederum habe ich die Endung erkannt und wusste, ha, das muss zu dem Wort gehören etc. Es ist ein bisschen wie Detektiv spielen.

Auf zu neuen Wörtern

Anschließend habe ich dann noch die Wörter, die ich nicht kannte, im Baskisch-Spanischen Online-Wörterbuch nachgeschlagen bzw. habe ich den Text auch mit der deutschen und der englischen Übersetzung verglichen. Wörter, die mir nützlich vorkamen und wo ich genau verstanden habe, was sie bedeuten, habe ich mir dann notiert.

Das Online-Wörterbuch, das ich dabei verwende, ist toll, denn da kann ich erstmal die ersten Buchstaben eingeben und so kann ich schnell die Grundform des Wortes herausfinden, auch wenn noch eine lange Endung dranhängt. Außerdem darf nicht vergessen werden: Ich kenne ja bei weitem noch nicht alle Endungen…

Weiterer Vorteil: In dem Wörterbuch kann man ganz einfach Wörter finden, die den gleichen Stamm haben und man kann gleich mehrere Wörter lernen. Beispiel: bidai – die Reise, bidaiari – der Reisende, bidaitu – reisen.

In einem ersten Schritt habe ich die Wörter nur notiert. Später habe ich sie in meine Excel-Wortschatzliste für Baskisch eingetragen und die entsprechenden Anki-Karteikarten angelegt. Wo es möglich war, habe ich die Aussprache des Wortes auf forvo.com runtergeladen und in die Karte hinzugefügt.

Wenn etwas nicht ganz klar war bzw. nicht wichtig, habe ich es nicht notiert. Etwas schwer tue ich mich nach wie vor mit den Verben, denn ich erkenne oft ein Verb, aber es ist mir nicht genau klar, wie, weshalb, warum es so verwendet wird. Für den Moment schlage ich das Wort zwar nach, nehme es aber nicht in meine Wortschatzliste auf.

Vorteile dieses kurzen Intermezzos

Mit der einen Seite bin ich jetzt mal ganz zufrieden und ich lasse das Buch jetzt sicher wieder für eine Weile liegen. Einiges ist mir aber positiv aufgefallen, was ein solches kurzes Intermezzo rechtfertigt.

Erstens ist da natürlich das Erfolgserlebnis, die ganzen markierten Wörter zu sehen, die man kennt. Klar, ich kann noch nicht zusammenhängend lesen, aber wenn man es sich so vor Augen führt, wie viel man schon erkennen kann, ist das schon top.

Zweitens bekommt man ein besseres Gefühl dafür, wie die Sprache verwendet wird. Ja, ich verstehe die meiste Grammatik dahinter noch nicht, aber es ist doch was anderes, wenn man zwischendurch einfach mit einem echten Text arbeitet und nicht immer nur mit dem Lehrbuch.

Drittens bringt es Abwechslung ins Lernen. Ich habe jetzt einige Wörter rausgesucht, die vielleicht mal wichtig sein können, die zum Grundwortschatz gehören und so bislang noch nicht im Kursbuch vorgekommen sind. Und wenn sie das tun, dann kann ich sie hoffentlich schon.

Wie geht’s weiter?

In den nächsten Wochen wird es vermutlich wieder ruhiger um mein Baskisch werden, denn es steht einiges Anderes am Programm. Aber mein Anki ist ja jetzt wieder gut gefüllt, da wird mir erstmal nicht langweilig. Wenn möglich, werde ich mich bei Assimil an die nächsten Lektionen wagen. Schritt für Schritt bzw. Seite für Seite wird es dann gemächlich weitergehen.

Agur! (Tschüss!)

Von | 2018-07-23T10:35:46+00:00 Juli 23, 2018|Die Welt der Sprachen|