Verben #1: Die Krux mit den Verben

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So, nach längerer Pause melde ich mich zurück. Die Unterbrechung habe ich genutzt, um einfach wieder mal andere Dinge auszuprobieren und neue Gedanken zu finden.

Jetzt gleich rein ins Getümmel, ich möchte in nächster Zeit über ein Thema schreiben, dass meiner Meinung nach viel zu stiefmütterlich behandelt wird: die Verben.

Ein Verb (auch Zeitwort, Tunwort etc.) ist eine Wortart, die eine Tätigkeit beschreibt, zum Beispiel spielen, laufen, sagen. Verben tragen sehr viel lexikalische Information. Beispielsweise bedeuteten sowohl Peter geht zum Supermarkt als auch Peter rennt zum Supermarkt, dass sich Peter zum Supermarkt bewegt. Die Wahl des Verbs drückt jedoch aus, wie schnell Peter das macht.

Soweit so gut. Alles einfach. Alles klar. Aber im Laufe der Zeit und durch das Erlernen vieler Sprachen ist mir eines klar geworden: Verben bereiten mir beim Erlernen der Sprache die größten Schwierigkeiten!

Warum? Das habe ich noch nicht ganz durchschaut. Aber ich versuche mal, meine Schwierigkeiten zu beschreiben:

Verben - Krux mit den Verben

(C) Andre Lelsner via Flickr – CC-Lizenz

Schwierigkeiten beim Merken

Anders als bei Substantiven fällt es mir viel schwerer, mir Vokabeln für Verben zu merken. Ich habe über den Sommer ein bisschen Suaheli gelernt. Mit den Verben habe ich dabei die größten Schwierigkeiten. Ich habe mich zwar nur auf das passive Verständnis konzentriert, aber ich kann kein einziges Verb so aus dem Stehgreif nennen… sehr bedenklich.

Liegt es daran, dass mir als visuellen Lerntypen Substantive aufgrund ihrer greifbareren Bilder leichter im Gedächtnis bleiben? Möglich.

Richtige Bildung der Verben

Ich muss Verben in der richtigen Form verwenden, die abhängig von der Personalform sowie der Zeit ist und je nach Sprache kommen dann noch interessantere Dinge wie Infixe (vgl. Suaheli) etc. dazu. Pro Sprache muss ich mir also eine Vielzahl an Endungen und unregelmäßigen Stammformen merken.

Nun gut, dieses Problem lässt sich relativ einfach durch Training beheben. Ich merke dabei, dass ich einfach ganz bewusst die Formen üben muss, damit es klappt. Dann muss ich halt mal die Zeit investieren, aber dann ist gut.

Erst kürzlich ist mir wirklich bewusst geworden, dass ich sowohl aktives Training (also simples Konjugieren) als auch passives brauche, wobei ich trainiere, die Form zu erkennen und einzuordnen.

Beispiel: Portugiesisch foi à 3. Person Singular PPS von gehen oder sein

Gerade zu diesem Bereich werde ich in nächster Zeit über meine eigenen Methoden berichten, die mir dabei helfen. Wie gesagt, wenn man es mal ordentlich eingeübt hat, dann sollte es eigentlich „auf alle Ewigkeit“ passen 😉

Komplexe Verbsysteme

Eine weitere Schwierigkeit sind Verbsysteme, die mit unserer Muttersprache bzw. unseren starken Sprachen nicht vergleichbar sind.

Da wären zum Beispiel die Aspekte in den slawischen Sprachen, also die Unterscheidung, ob eine Handlung einmalig oder wiederholend ist, punktuell oder verlaufend etc. Mittlerweile glaube ich, dass ich die Grundidee verstanden habe, allerdings werde ich das Konzept wohl nie als Ganzes durchdringen. (Außerdem kommt dazu, dass wenn man die Verbformen nicht parat hat – siehe Punkt oben – das ganze Verständnis nicht viel bringt…)

Dann gibt es noch verschiedene Arten des Modus, wie der vielgefürchtete Subjuntivo im Spanischen bzw. seine Äquivalente in den anderen romanischen Sprachen. Wer mit dem Konzept nicht aufwächst, braucht viel Zeit und Übung, um in das System hineinzukommen.

Gehen wir zu „exotischeren“ Sprachen über, finden wir unzählige Verbsysteme, die uns nicht vertraut sind. Meine größten Schwierigkeiten habe ich mit dem System der russischen Bewegungsverben. Die Verben gehen, fahren etc. können um unzählige Präfixe in den jeweiligen Aspekten und Zeiten ergänzt werden und damit jeweils ihre Bedeutung ändern, verfeinern,… wie immer man das nennen mag. In Zeiten meines größten Frusts war ich überzeugt davon, dass die Russen uns nur „pflanzen“ (also ärgern) möchten, mittlerweile habe ich wieder eine neutrale und neugierige Haltung eingenommen und ich bin gewillt, mich dem Thema in der Zukunft wieder anzunehmen. Sollte ich nennenswerte Erfolge erzielen, wird natürlich darüber berichtet.

Was kann ich dagegen tun?

Da mich das Thema Verben immer wieder vor Schwierigkeiten stellt, möchte ich mich in Zukunft vermehrt diesem Thema widmen. Einiges habe ich natürlich schon selbst gemacht, um die einen oder anderen Bereiche zu verbessern. Ich werde euch in zukünftigen Artikeln vorstellen, was ich für welche Sprachen ausprobiert habe und was dabei tatsächlich zielführend war.

Wenn ihr Tipps dazu habt, wie man bestimmte Schwierigkeiten konkret angehen kann, immer her damit.

Wie schaut’s mit eurem Verhältnis zu den Verben aus? Ich freue mich über eure Kommentare.

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  • Susanne

    Hallo Daniela,
    schön wieder einen Beitrag von dir zu lesen. Die Verben finde ich beim Sprachenlernen auch super wichtig. Ich habe bis jetzt noch keine exotischeren Sprachen als romanische und germanische gelernt, aber Russisch klingt ja wirklich sehr kompliziert. Mir hilft es, mit neuen Verben immer einige Beispielsätze in verschiedenen Zeiten zu bilden. Ich überlege mir also, wie ich das Verb beim Sprechen oder Schreiben benutzten würde, z.B. im Imperativ oder Perfekt und schreib mir dann ein paar Sätze zusammen. Außerdem hilft es mir Sprachen, die ich schon kann, zu vergleichen. Ich vergleiche die Sprache, die ich lerne nicht nur mit Deutsch, sondern überlege dann eben auch, wie ist das in Spanisch, Englisch etc. (z.B. Imperfekt vs. Perfekt)
    Ich freue mich schon auf deine nächsten Posts und werde sicher deine Tips ausprobieren.
    VG Susanne

    • http://www.isimplylovelanguages.com/ Dani Maizner

      Hallo Susanne, danke für deine Ideen.
      Du hast ein paar Gedanken, die mir in den letzten Tagen gekommen sind, in Worte gepackt. Ich hab ein bisschen darüber nachgedacht, wie ich denn Beispielsätze vermehrt in das Lernen einbinden kann. Ich notiere zwar immer wieder mal einen Beispielsatz auf meinen Anki-Karten, aber wirklich systematisch bin ich da auf Satzebene noch nicht vorgegangen.

      Daran werde ich jetzt gleich feilen, wenn ich heute Abend wieder ein bisschen lerne.

      Jetzt habe ich gleich noch eine Frage zu deiner Vorgehensweise: Was machst du denn mit den gebildeten Sätzen. Also wenn du zum Beispiele Imperative bildest… schreibst du die auf? Sprichst du sie dir vor? Bleiben die in irgendeiner Form erhalten oder landen sie nach der Lerneinheit im Papierkorb?
      Ich brauch ja immer irgendwie was haltbares, denn sonst habe ich das Gefühl, ich habe nichts gemacht. Auch etwas, was ich mir langsam abgewöhnen möchte.

      LG Dani

      • Susanne

        Hallo Dani,

        das ist auch irgendwie mein Problem, dass ich die Sätze nicht systematisch irgendwo sammle. Ich gebe oft solche Beispielsätze bei Anki mit ein, aber wahrscheinlich nicht oft genug. Wenn ich mir nicht sicher bin, ob die Sätze natürlich klingen, lass ich sie auf lang-8 korrigieren. Am besten wäre es wahrscheinlich, die Sätze dann in einem Gespräch zu benutzen. Sprechen kommt bei mir beim Sprachenlernen leider meist am kürzesten, obwohl ich wirklich gemerkt habe, dass ich mir alles besser merke, was ich wirklich im Gespräch gebraucht habe.

        Übrigens kann ich fürs Verbenlernen die Langenscheid Verbtabellen empfehlen. Ich hab das Buch für Italienisch und ich finde es toll, dass es zu jedem Verb Anwendungsbeispiele, Sprichwörter und andere Tips gibt. (http://www.langenscheidt.de/Langenscheidt-Verbtabellen) Ich glaube es gibt auch eine Software dazu, die einen abfragt. Diese hab ich jedoch nicht ausprobiert. Und bei mir bleibt auch immer mehr hängen, wenn ich mich selbst durcharbeite, als mit einem Computerprogramm zu lernen.

        LG Susanne

  • Pingback: Verben #2: Passives Erkennen automatisieren - I simply love languages()

  • Frank

    Ich lerne gerade Portugiesisch und das Verbenproblem kommt mir bekannt vor (deswegen hab ich auch das Blog hier gefunden :). Substantive lernen geht mehr oder weniger schnell, aber Verben…puh. Bisher keine leichte Sache