Verben #4: Referenzsätze merken

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In den letzten Beiträgen habe ich ja vor allem darüber geschrieben, wie Verbformen an sich eingeübt werden können. So wichtig wie das auch ist, ist das Erlernen von Verbformen natürlich zwecklos, wenn die zugrundeliegende Grammatik nicht verstanden wird.

Wenn es um Konzepte geht, die wir auch im Deutschen bzw. in unserer jeweiligen Muttersprache verwenden, wird uns das Verständnis nicht schwerfallen. Wir können das Konzept 1:1 in die Fremdsprache übertragen.

Beispiel: Ich gehe samstags ins Kino. I go to the cinema on Saturdays. Voy al cine los sábados.

Schwieriger wird es dann, wenn uns das Konzept noch nicht bekannt ist. Dann müssen wir das Konzept theoretisch erlernen und versuchen zu verstehen. Je länger wir uns mit einer Sprache beschäftigen, desto vertrauter werden wir auch mit dem Konzept. Aber gerade am Anfang, wenn wir erst in die Grammatik eintauchen und uns noch nicht so leicht durch die Sprache bewegen, müssen wir uns irgendwie anders helfen.

Meine Methode dazu ist das Erlernen von Referenzsätzen. Ich versuche es an einem Beispiel zu illustrieren.

Verben-Mustersätze

(C) Andre Lelsner via Flickr – CC-Lizenz

Viele von euch werden wahrscheinlich schon einmal eine romanische Sprache gelernt haben und somit früher oder später mit dem Konzept des Subjunktivs Bekanntschaft gemacht. Im Französischen der subjonctive, der subjuntivo im Spanischen und der conguntivo im Italienischen und Portugiesischen. Alles natürlich geerbt von Latein. (Wer das Konzept nicht kennt, laut Wikipedia (bezogen auf den spanischen Subjuntivo) ist diese Möglichkeitsform sprecherbezogen und drückt dessen Wähnen, Gefühle, Bitten, Befehlen, Meinungen, Bewertungen, Zweifel, Empfehlungen, Raten, Erlauben, Verbieten, Wünschen, Ermahnen, Willensäußerungen und so weiter aus und kann in den Zeitstufen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verwendet werden.)

Bleiben wir also beim Beispiel des spanischen Subjuntivo, denn das war das Konzept, mit dem ich mich ausführlich beschäftigt habe. Gerade zu Beginn dieses Grammatikthemas werden in Grammatikbüchern bestimmte Keywords aufgelistet, die für einen Satz mit Subjuntivo üblich sind. Mit diesen Keywords habe angefangen, mir Referenzsätze zu bilden.

Beispiel: esperar que (hoffen dass)

Ich habe mir den Satz „Espero que estés bien“ (Ich hoffe, es geht dir gut) gemerkt. Immer wenn ich Texte geschrieben habe und das Wort esperar que verwenden musste, dachte ich an diesen Satz. Da ich wusste, dass estés eine Subjuntivoform ist, habe ich mich umgehend daran erinnert, dass nun ein Subjuntivo folgen muss.

Mittlerweile habe ich das so oft gemacht, dass ich esperar que ohne mit der Wimper zu zucken richtig verwende, aber das musste ich mir durch häufiges bewusstes Anwenden antrainieren. Dabei hat es mir geholfen, einen griffigen Satz zur Hand zu haben.

Wie finde ich einen guten Beispielsatz?

Ein solcher Beispielsatz muss natürlich griffig sein, damit ich ihn mir merken kann. Kann ich ihn mir nicht als Ganzes merken, hilft die ganze Eselsbrücke nichts :)

Es gibt bestimme Sätze oder Wendungen, die man sich einfach leicht merkt, weil man sie mit etwas verbindet. Irgendwann hat mich zum Beispiel jemand darauf aufmerksam gemacht, dass es eben „Espero que estés bien“ und nicht „Espero que estás bien“ heißt. Das hat sich bei mir so eingeprägt, dass ich mir den Satz gut merken konnte und in weiterer Folge nicht nur immer diesen Satz richtig schreiben konnte, sondern eben auch andere, die nach dem gleichen Muster aufgebaut sind.

Aber man kann sich solche Sätze natürlich auch selbst konstruieren. Wichtig ist dabei nur, dass man so einfach wie möglich bleibt und das Phänomen, das man sich merken will, die einzige Schwierigkeit im Satz ist. Wenn ich zusätzlich noch drei Wörter einbaue, die ich nicht verstehe, wird es schwieriger, mir den Satz zu merken.

Ein simples Beispiel für von mir konstruierte Sätze:

Creo que tienes razón. (Ich denke, dass du Recht hast.)

No creo que tengas razón. (Ich denke nicht, dass du Recht hast)

Die Sätze an sich sind sehr simpel und daher leicht zu merken. Sie illustrieren mir auf einfache Weise immer, dass wenn ich creer positiv, also bejahend verwende, beim Indikativ bleiben muss. Anders bei der verneinenden Form, mit der ich den Subjuntivo verwenden muss.

Viele vertreten auch die Meinung, dass Eselsbrücken möglichst witzig sein sollten. Das mag vielen eine Hilfe sein, aber meiner Ansicht nach kann das nur funktionieren, wenn man eine gewisse Emotion mit dem Beispiel verbindet. Konstruiert man selbst ein Beispiel, finde ich persönlich ein ganz simples Beispiel als viel griffiger, da man es sich leichter merkt. Aber das sei jedem selbst überlassen.

Wichtig

Um mit Beispielsätze zu arbeiten, ist natürlich eines ganz wichtig: Ich muss die Verbform erkennen können! Ich muss wissen, dass im Satz „No creo que tengas razón“, das Verb tengas ein Subjuntivo ist. Sonst bringt mir der ganze Merksatz nicht, weil ich das Muster nicht richtig auf andere Sätze umlegen kann. Außerdem muss ich die Verbformen beherrschen, denn wenn ich meinen Mustersatz als Beispiel für einen Satz mit dem Verb ser anwenden möchte, muss ich auch wissen, welche Form ser im Subjuntivo annimmt. Sonst funktioniert der Satz ja erst wieder nicht.

Ihr seht also, warum ich am Anfang ein Plädoyer für das passive und aktive Erlernen gehalten habe: die ausgefeiltesten Lernmethoden helfen nichts, wenn es an der Basis scheitert :)

Eure Beispiele

Meine Beispiele waren jetzt sehr spanischlastig, auch deshalb, weil ich gehofft hatte, dass möglichst viele von euch zumindest eine Grundidee von Spanisch haben. Aber jetzt würde ich euch bitten, eure persönlichen Mustersätze zu den verschiedenen Sprachen zu teilen. Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

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