Vokabeln lernen mit der Goldlist-Methode – Einführung & Review

Ich beschäftige mich wieder mal ausführlich mit dem Thema Vokabellernen bzw. Wortschatzarbeit und unter anderem setze ich derzeit (Dezember 2017) die Goldlist-Methode ein. Vorausschicken möchte ich, dass ich 2014/2015 schon einmal damit gearbeitet habe und eigentlich sehr zufrieden mit dem Erfolg war. Warum ich zwischenzeitlich damit aufgehört habe, dazu weiter unten.

In diesem Post möchte ich diese Methode, die vielleicht nicht allgemein bekannt ist, beschreiben und meine Erfahrungen mit euch teilen. Ich werde allerdings nicht zu sehr ins Detail gehen und für alle, die es tatsächlich ausprobieren wollen, habe ich am Ende einige Links zusammengetragen, unter denen ihr genaue Anleitungen und tiefergehende Erklärungen zum Hintergrund der Methode findet.

Aber um Goldlisting mal kurz in eigenen Worten zusammenzufassen: Das Prinzip von Goldlisting ist die unbewusste Überführung von Wörtern und Strukturen ins Langzeitgedächtnis. Das Kernelement ist dabei ein Buch bzw. ein Heft, in das die Vokabeln, die man lernen möchte, schreibt – dabei geht es darum, nur kurze Sessions einzulegen und besonders bewusst die Wörter abzuschreiben. Es beginnt jeweils mit einer sogenannten Headlist von 25 Wörtern pro Doppelseite. Nach einer bestimmten Zeit (frühestens zwei Wochen) „destilliert“ man dann eine gewisse Anzahl von Wörtern, die bereits ins Langzeitgedächtnis überführt wurden, aus dieser Headlist. (Für eine genaue Anleitung dazu siehe Links am Ende des Posts). Aus den 25 Wörtern aus der Headlist werden also lediglich 17 Wörter. Die Wörter werden aber nicht nur ausgestrichen, sie werden erneut abgeschrieben und zwar auf die andere Seite der Doppelseite. Wiederum lässt man eine gewisse Zeit (mindestens zwei Wochen) vergehen und die Liste der 17 Wörter wird weiter reduziert.

Somit reduziert sich die Headlist nach und nach, da immer mehr Wörter im Langzeitgedächtnis verankert werden. Aber dabei geht es eben nicht um das bewusste Pauken, nicht um das aktive Lernen. Um es mal ganz simpel und naiv auszudrücken: Es geht darum, sorgfältig und bewusst Wortlisten abzuschreiben.

Natürlich legt man nicht nur eine Headlist an und lässt die dann liegen. Idealerweise arbeitet man regelmäßig mit dem Buch und legt weitere Listen an.

Was/Wer steckt hinter der Methode?

David James, der Erfinder der Methode, hat sich intensiv mit Forschungen im Bereich der Merkfähigkeit des Gehirns auseinandergesetzt und die Methode über viele Jahre hinweg entwickelt. Die Idee dahinter ist nämlich, dass das menschliche Gehirn 30 % der neuen Informationen in das Langzeitgedächtnis überträgt. Und alles, was sich bereits im Langzeitgedächtnis befindet, brauche ich nicht mehr aktiv lernen, denn es ist praktisch schon gelernt. Mit dem Destillieren werden also jene Informationen gestrichen, die nicht mehr gelernt werden müssen. Das ist ein Unterschied zu anderen bekannten Formen des Vokabellernens, auch gegenüber Software wie Anki, bei der Wörter, auch wenn sie beherrscht werden, immer wieder wiederholt werden.

Warum ich mit dem Goldlisten begonnen habe

Als ich die Methode zum ersten Mal ausprobiert habe, waren die Hauptgründe dafür, dass es so aussah, als würde sie erstens zu meiner Persönlichkeit und zweitens zu meinen aktuellen Bedürfnissen passen. Zuvor habe ich Anki ziemlich exzessiv verwendet und zeitenweise bis zu einer Stunde pro Tag gelernt. Da hatte ich irgendwie das Bedürfnis, eine Anki-Pause einzulegen und auch mal wieder ein bisschen weg von der ganzen Technik zu gehen. Klar, ganz weg kommt man sowieso nicht mehr, aber ich wollte ein bisschen weniger Zeit vor dem Bildschirm verbringen und mehr in die, naja, Offline-Welt zurückgehen.

Und die Tatsache, dass man bei Goldlisting handschriftlich arbeitet und Dinge verwendet, die man anfassen kann, war ein Grund, warum ich es mal versuchen wollte. Der andere Grund war der Zugang der Methode. Dass man sich gemütlich mal hinsetzt, schöne Arbeitsmittel verwendet und einfach die Dinge niederschreibt, ganz ohne Druck. Es gibt keine vorgegebene Anzahl an Wörtern pro Tag, die man wiederholen muss. Es kommt mir ein bisschen wie Mediation vor. Man setzt sich einfach hin und schreibt eine Liste nach der anderen.

Jetzt kürzlich habe ich, wie gesagt, wieder mit der Goldlist-Methode begonnen und der Punkt, dass man sich dabei mit guter alter Handschrift, einem Buch etc. beschäftigt, war für mich ausschlaggebend, wieder darauf zurückzugreifen, aber nicht nur das. Dieses Mal war es bei mir auch der Fall, dass es um eine Sprache ging, bei der ich nicht genau abschätzen konnte, wie gut mein Wortschatz eigentlich wirklich ist. In dem Fall Französisch: Ich habe nicht wirklich aktiv an meinem französischen Wortschatz gearbeitet, war aber immer wieder überrascht, wie viele Wörter ich benutzen konnte. Nun wollte ich systematisch an meinem Wortschatz arbeiten und habe mir ein Grundwortschatzbuch gekauft. Aber ich hatte keine Lust, die ganzen Wörter in Anki zu übertragen und dann ständig Wörter zu lernen, die ich schon konnte. Das ist der Vorteil der Goldlist-Methode, denn sobald ich merke, dass die Wörter eh in meinem Langzeitgedächtnis sind, streiche ich sie aus.

Die große Frage: Funktioniert’s?

Nun, es gibt Tage, da läuft es besser, manche da läuft es schlechter. Manchmal habe ich eine Seite mit Wörtern, die mir überhaupt nicht in das Gedächtnis wollen und da habe ich Probleme damit, die 30 % zu identifizieren, die ich mir am besten gemerkt habe. Aber alleine schon dieser bewusste Denkprozess, diese zu identifizieren, ist eine Auseinandersetzung mit den Wörtern, die hilft, Verbindungen im Gehirn herzustellen.

Aber meistens bin ich doch überrascht, wie viel ich über die Methode behalte. Für meinen jetzigen Zweck – die systematische Erarbeitung eines Grundwortschatzes in einer Sprache, in der ich ungefähr fortgeschritten bin – empfinde ich die Methode als genau passend.

An dieser Stelle muss jedoch angemerkt werden, dass Goldlisting eine langfristige Lernmethode ist – sie ist keinesfalls geeignet, um schnell irgendwelche Wortlisten in sein Gehirn zu stopfen, zum Beispiel vor einer Prüfung (wobei von einem solchen Vorgehen ja allgemein abzuraten ist). Wer aber mittel- bis langfristig an seinem Wortschatz arbeiten will, für den kann Goldlisting sehr interessant sein.

Wann ich die Methode für mich nicht verwende

Ich bin an sich ein Mensch, der schnell, aber schlampig ist. Nur vom Abschreiben und lesen fällt es mir oft schwer, Details zu behalten. Gerade für die aktive Sprachproduktion finde ich es aber wichtig, auf die Details zu achten, um möglichst fehlerfrei zu sprechen. Für die aktive Verwendung habe ich das Gefühl, dass die Methode mir nicht so gut hilft.

Mittlerweile kenne ich meinen eigenen Lernstil und weiß, dass ich manchmal gewisse Details einfach klassisch pauken muss. Für diese Dinge verwende ich nach wie vor Anki, mit ich Strukturen immer und immer wiederhole. Aber hier muss jeder seinen eigenen Stil finden, ich weiß von einigen, die ausschließlich die Goldlist-Methode zum Vokabellernen verwenden und damit sehr erfolgreich sind.

Ich habe ja eingangs erwähnt, dass ich die Methode zwischenzeitlich nicht verwendet habe. Der Hauptgrund war dabei für mich folgender: Nachdem ich mein ursprüngliches Lernziel – die Vorbereitung für die CPE-Prüfung – erreicht hatte, wollte ich allgemein einfach in allen meinen Sprachen vokabeltechnisch dran bleiben. Das fiel mir mit der Goldlist-Methode allerdings schwer. Ich wollte einfach pro Sprache jeden Tag fünf Minuten Vokabeln wiederholen und natürlich hätte ich für jede Sprache ein Goldlistbuch anlegen können, aber das wäre mir zeitlich zu viel geworden. In einer Phase, in der ich einfach allgemein und an mehreren Sprachen arbeiten will, passt Goldlisting nicht so gut zu mir. Hier bevorzuge ich Anki.

Allerdings gibt es auch Personen, die durchaus in mehreren Sprachen – ja, sogar mehreren Themen, denn die Methode kann nicht nur für das Sprachenlernen angewandt werden – regelmäßig goldlisten. Am besten probiert jeder selbst aus, was für einen funktioniert bzw. kann man sich in der Facebookgruppe der Goldlist User hervorragend mit anderen austauschen.

Was brauche ich, um zu beginnen?

Für das Goldlisting braucht man zwei Dinge:

  • Ein großes Notizbuch, das pro Seite mindestens 40 Zeilen hat (das hat mit den Details der Methode zu tun, siehe Links am Ende)
  • Eine Vokabelliste

Im Prinzip kann man jede beliebige Vokabelliste nehmen, zum Beispiel die aus dem Lehrbuch, mit dem man arbeitet. Ich habe auch schon mal versucht, die Wörter aus Romanen zu nehmen, die ich gelesen habe. Alles ist möglich. Für mich habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass ich am besten mit systematischen Quellen goldliste. Ich nehme daher am liebsten Grundwortschatzbücher, mit denen ich an bestimmten Themen arbeiten kann.

Die Sache mit dem Notizbuch ist gar nicht so einfach, denn nicht viele verfügen über ausreichende Zeilen. Ich habe gute Erfahrungen mit den unlinierten A4-Büchern von Clairefontaine gemacht bzw. arbeite ich derzeit mit karierten Büchern. Das funktioniert für mich gut, weil ich eine kleine Handschrift habe und keine Leerzeilen lassen muss.

Mein persönliches Fazit

Ich mag die Methode sehr gerne, denn sie trifft meinen Typ, vor allem was das Hinsetzen und bewusst arbeiten angeht, auch das Arbeiten mit immer 25 Zeilen in der Headlist passt zu meiner zahlenaffinen Seite. Für mich persönlich funktioniert sie auch gut für bestimmte Zwecke. Ich würde sie für mich allerdings nicht als einzige Methode der Wortschatzarbeit anwenden.

Alles in allem empfehle ich aber jedem, die Methode mal für ein paar Monate auszuprobieren. Wie ganz am Anfang erwähnt, gibt es bereits viele gute Seiten, auf denen die Methode im Detail und ausführlich erklärt wird.

Weitere Infos:

Allen, die die Methode ausprobieren wollen, sei die offizielle Seite zur Methode bzw. die entsprechende Facebookgruppe empfohlen. Einige Blogger- & Sprachfreunde von mir haben auch über das Thema geschrieben. Wer gerne was auf Deutsch dazu erfahren möchte, hier der Link zu einem interessanten Interview mit dem Erfinder der Methode, David James, auf Gabriels Sprachheld-Blog. Eine sehr ausführliche und gute Anleitung (auf Englisch) findet ihr auf Gareths Blog.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

PS: Ein Wort zum Schluss: Die Goldlist-Methode ist nicht nur eine Methode zum Vokabelnlernen, man kann damit auch Grammatik lernen. Das habe ich allerdings noch nie versucht, deshalb kann ich dazu nichts sagen.

Von | 2018-01-09T15:45:16+00:00 Dezember 21, 2017|Die Welt der Sprachen|